
März 19, 2010 | Geschrieben von admin-w57 - Kategorie
Psychologie
Die Psychotherapeutin Linda Buzzell-Saltzmann geht mit ihren Patienten gerne in ihren dicht bewachsenen Garten und begründet dies wie folgt: „Im Garten fällt es Menschen oft leichter, ihre Gedanken und Sorgen zu artikulieren.“ Sie glaubt ganz fest an die Heilkraft der Gärten, der Wiesen und des Waldes. An der Westküste der Vereinigten Staaten von Amerika verschreiben immer mehr Therapeuten ihren Klienten Spaziergänge ins Grüne als Medikamente oder eine Psychotherapie. Die so genannten Ökopsychologen wollen die angeblich zerrüttete Beziehung der Menschen zur Natur wieder ins Lot bringen.
In der Nähe von Parks gehen die Depressionen zurück
Der Ökopsychologe Thomas Doherty erklärt: „Wir wollen erforschen, wie der Mensch die Natur erlebt, damit er eine intakte emotionale Verbindung zu ihr pflegen und verantwortlich handeln kann.“ Ökopsychologen stützen sich in ihrer Wissenschaft auf zwei weitgehend anerkannte Thesen: Erstens fördert das Erleben der Natur die Psyche und zweitens schadet zu wenig Natur dem Menschen.
Studien haben ergeben, dass Stresssymptome wie Herzfrequenz oder Schweißbildung zurückgehen, wenn Menschen die Natur erleben. Am wirkungsvollsten ist es offenbar, sich möglichst oft in der Natur oder zumindest in Parks oder anderen Grünanlagen aufzuhalten. Stadtmenschen, die nicht weiter als einen Kilometer von einem Park entfernt leben, leiden seltener unter Depressionen, Ängsten oder an Störungen des Herzkreislaufsystems.
Die neue Krankheit der Naturdefizitstörung
Die Umweltpsychologin Dörte Martens fand sogar heraus, dass sich die Stimmung ihrer Probanden aufhellte, wenn sie durch gepflegte Wälder wanderten anstatt durch Flächen mit viel Unterholz und toten Bäumen. Sie sagt: „Obwohl beide Waldflächen durch Wege gut begehbar waren, wirkte der gepflegte Wald beruhigender.“ Einige US-Psychologen behaupten inzwischen sogar, dass der massive Mangel an Naturerfahrung in Industriegesellschaften psychische Krankheiten verursache.
Für Kinder, die kaum in der freien Natur spielen und die meiste Zeit vor der Glotze oder dem Computer sitzen, prägte der Psychologe Richard Louv ein neues Krankheitsbild – die Naturdefizitstörung. Als Symptome beschrieb er zu hohes Gewicht, Probleme bei der Konzentration und Depressionen. Doch noch gibt es keine Befunde, dass Stadtkinder eine labilere Psyche hätten als Kinder vom Land.
Ellen Matthies: “Psychische Krankheiten sind multikausal verursacht”
Umweltpsychologen in Europa warnen davor, die psychologische Forschung auf die Naturerfahrung einzuengen. Ellen Matthies, die an der Universität Bochum lehrt, erklärt: „Psychische Krankheiten sind multikausal verursacht und lassen sich meist nicht auf einen einzelnen Faktor zurückführen.“ Defizite in einem Bereich des Lebens könnten außerdem durch andere positive Alltagserfahrungen ausgeglichen werden. Gute soziale Beziehungen gleichen möglicherweise den Mangel an Erlebnissen in der Natur wieder aus.
Den Kritikern entgegnet der Psychologe Thomas Doherty: „Nur weil Naturerleben als Einflussfaktor auf die menschliche Psyche experimentell schwer zu isolieren ist, sollte uns das nicht abhalten, seine Rolle weiter zu erkunden.“ Thomas Doherty ist davon überzeugt, dass positive Naturerfahrungen dazu führen können, dass sich die Menschen umweltbewusster verhalten. Und das wiederum sei entscheidend, wenn die Menschheit die ökologische Krise meistern will.
Von Hans Klumbies
Kategorien: Psychologie |
Tags: Depressionen, die Beziehung des Menschen zur Natur, Dörte Martens, Ellen Matthies, Erleben der Natur, Grünanlagen, Heilkraft der Wiese, Heilkraft des Gartens, Heilkraft des Waldes, Heilung, Herzfrequenz, in der Natur spielen, Konzentrationsstörungen, Kräfte der Natur, Krankheitsbild, labile Psyche, Landmenschen, Linda Buzzell-Saltzmann, Mangel an Naturerfahrung, Medikamente, menschliche Psyche, Natur, Naturdefizitstörung, Naturerlebnis, ökologische Krise, Ökopsychologie, Park, Patienten, positive Naturerfahrungen, Psyche, psychische Krankheiten, psychologische Forschung, Psychotherapie, Richard Louv, Schweißbildung, soziale Beziehungen, Stadtmenschen, Stresssymptome, Therapeut, Thomas Doherty, Übergewicht, Umweltbewusstsein, Umweltpsychologie |
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