Heidi Kastner hält Paartherapien für pompöse Begräbnisse

In ihrem neuesten Buch „Tatort Trennung. Ein Psychogramm“ beschäftigt sich Heidi Kastner mit der Liebe, zu hohen Erwartungen und dem Mord an ehemals geliebten Menschen. Ihrer Meinung nach kann man sich auf eine Trennung nicht wirklich vorbereiten, da die meisten asymmetrisch verlaufen: „Meistens ist es einer, der sich innerlich zu trennen beginnt und das nicht kommuniziert. Der Überrumpelte reagiert dann natürlich mit Entsetzen, Überraschung, Kränkung.“ In dieser akuten Phase ist alles eine Überforderung. Aber wenn das vorbei ist, sollte man laut Heidi Kastner nicht hergehen und dieses ganze Kapitel der eigenen Biografie als fatalen Irrtum abschreiben. Man sollte sich vergegenwärtigen, was es in der Beziehung an Gutem gegeben hat. Heidi Kastner ist seit 2005 Chefärztin der forensischen Abteilung des Landesnervenklinik Linz.

Viele Vorwürfe des Missbrauchs gegen Väter sind erfunden

Wenn Menschen zum Therapeuten kommen, dann meistens an einem Punkt, an dem zumindest für einen die Sache schon gelaufen ist. Heidi Kastner erklärt: „Man kommt, um einen mehr oder weniger unabhängigen Schiedsrichter ins Spiel zu bringen, der dem anderen sagen soll, wie unmöglich er ist. Oder man kommt, um öffentlich zu demonstrieren, dass man ja eh alles gemacht hat.“ Nur formal alles zu mache ohne innere Bereitschaft irgendwas zu verändern, ist für Heidi Kastner sinnlos. Einige ketten sich mit ihrem Hass auf Jahre in einem Rosenkrieg weiterhin an den Ex-Partner.

Heidi Kastner kennt den Grund für eine solche Verhaltensweise: „Weil es das Bedürfnis ist, die eigene Kränkung in Rache umzuwandeln. Das kann auch lebensbestimmend werden. Kränkungen nicht als biografische Ereignisse stehen zu lassen. Koste es, was es wolle.“ Weil viele Menschen auch nicht hinnehmen können, dass das Leben nicht immer gerecht ist, dass einem auch als guten Menschen Schlechtes widerfahren kann. Heidi Kastner vertritt zudem die These, dass viele Vorwürfe des Missbrauchs gegen Väter erfunden sind.

Potentielle Ausbrüche der Gewalt von Verlassenen sind schwer frühzeitig zu erkennen

Es gibt Befunde, dass es gerade in Konstellationen der Trennung sehr häufig so ist, dass sich die erhobenen Vorwürfe nicht bewahrheiten. Aber das ist natürlich ein sehr probates Mittel, den anderen sozial zu eliminieren. Es ist nicht leicht potentielle Ausbrüche der Gewalt von Verlassenen frühzeitig zu erkennen und dadurch eventuell zu verhindern. Es gibt aber Risikokonstellationen, etwa wenn sich der Partner auch vorher schon als einer erwiesen hat, der auf ein Durchkreuzen seiner Wünsche mit Gewalt reagiert.

Heidi Kastner fügt hinzu: „Ebenso wenn die Realität der Trennung komplett verweigert wird und die Person in dieser Phase selbst zusehends ins Hintertreffen kommt. Etwa wenn die finanzielle Lage sehr angespannt wird, wenn man das Haus oder den Job verliert.“ Irgendwann kann es dann soweit kommen, dass man sich berechtigt fühlt, dem das heimzuzahlen, der einem sein Leben vermeintlich ruiniert hat. Denn man wird sowieso aus dieser bösen, bösen Welt scheiden und da bringt man aber vorher noch den um, der einem das Ganze angetan hat. Quelle: Passauer Neue Presse

Von Hans Klumbies

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