Guy Bodenmann kennt viele Gründe für den Zerfall einer Liebe

Auch wenn die Wissenschaft bis heute nicht weiß, wie die Liebe entsteht und wohin sie wieder geht, wissen die Forscher doch einiges darüber, warum die Liebe zugrunde geht und wie man sie pflegen kann. Guy Bodenmann nennt einige Gründe, die beim Zerfall der Liebe eine wichtige Rolle spielen, die unter Stress sogar nicht verstärkt werden: „Je länger ein Paar zusammen ist, desto mehr wird die Beziehung alltäglich. Die zu Beginn vorherrschende Faszination und Attraktivität geht verloren.“ Zudem gehen viele Paar mit überhöhten oder unrealistischen Erwartungen in eine Partnerschaft und versprechen sich von ihr die Erfüllung aller Wünsche und Bedürfnisse. In der Enttäuschung dieser Erwartungen beginnen sie, den Partner abzuwerten und sein Verhalten negativ zu interpretieren. Guy Bodenmann ist Professor für Klinische Psychologie an der Universität Zürich.

Die Menschen sehnen sich nach Abwechslung

Viele Menschen verlieren zudem den Willen, in die Beziehung zu investieren, und konzentrieren sich stärker auf sich selbst, die eigenen Bedürfnisse, die zu kurz kommen, die eigenen Wünsche, die nicht erfüllt wurden, und die eigenen Ziele, die es im Leben zu erreichen gilt. Guy Bodenmann fügt hinzu: „Viele kämpfen zu wenig um die Liebe, werfen sie weg, wie man heute vieles wegwirft, was nicht mehr den Bedürfnissen entspricht oder seinen ursprünglichen Glanz verloren hat.“ Dazu kommt, dass Altbewährtes oft den Beigeschmack des Abgestandenen, Bekannten und Langweiligen hat.

Guy Bodenmann stellt fest: „Die Ehe ist eine der seltenen Konstellationen, wo erwartet wird, dass man immer mit semselben Menschen Spaß haben sollte – und dies ein Leben lang.“ Je häufiger man aber etwas hat oder tut, desto mehr verliert es seinen Reiz. Das geht den Menschen mit allem so. Sie sehnen sich nach Abwechslung, Neuerung und Entdeckungen. Schönheit, Status, Reichtum, interessante Merkmale einer Persönlichkeit verlieren ihren Reiz, wenn man sich an sie gewöhnt. Gewöhnung und ein veränderter Blick auf den Partner gehen Hand in Hand.

Auch die Sexualität verkommt zur Routine

Auch die Sexualität mit dem Partner wird bei vielen Paaren im Verlauf der Zeit fade, verkommt zur Routine und verliert ihre Faszination. Guy Bodenmann erklärt: „So schön, erotisch und sexy der Partner zu Beginn sein mochte, die Tatsache, dass es sich immer um dieselbe Person handelt, beginnt diese vorteilhaften Attribute zu unterhöhlen.“ Stress verstärkt diesen Prozess, dem man nur durch Variation und besonderes Engagement entgegenwirken kann. Doch unter Stress bringen die meisten Menschen häufig nicht die Kraft dafür auf.

Viele Menschen sehnen sich nach einer stabilen, glücklichen Partnerschaft und hoffen, darin Lebensglück und Erfüllung zu finden. Entsprechend hoch sind die Ansprüche an den Partner. Guy Bodenmann erläutert: „Der Partner sollte treu, zuvorkommend, interessiert, zärtlich, wertschätzend, stimulierend sein, die eigene Entwicklung fördern und einen im Leben weiterbringen, dazu noch möglichst attraktiv, intelligent und geistreich, humorvoll und witzig, tolerant und einvernehmlich, einkommensstark und großzügig sein.“ Nicht zuletzt sollte auch der Sex gut sein. Diese unrealistischen Wünsche kann selbst der genialste Partner nicht erfüllen. Quelle: „Bevor der Stress uns scheidet“ von Guy Bodenmann

Von Hans Klumbies

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