Die Hauptdarsteller der Globalisierung

Eine gravierende Systemveränderung hat für den berühmten Soziologen Ulrich Beck einen neuen Namen: Globalisierung. Die Gruppen, die für die Globalisierung stehen, sind andere geworden. Nicht das Proletariat oder die Kommunisten oder die kritischen Intellektuellen sind die Protagonisten der Globalisierung, sondern eine unfreiwillige, verdeckte, weltweite Koalition der Gegensätze: transnationale Konzerne, transnationale soziale Bewegungen sowie transnationale Experten in internationalen Organisationen. Die Globalisierung ist für Ulrich Beck auch ein anderes Wort für den Kapitalmarxismus ohne Karl Marx.

Martin Albrow stellt die nationale Einheit in Frage

Ulrich Beck zitiert Martin Albrow, der die Moderne mit ihren territorialstaatlich geprägten Politikmonopol, ihrem Gemeinschafts- und Gesellschaftsverständnis, mit ihren Idealen vom technischen Fortschritt und der nationalen Einheit in Frage gestellt sieht, da sie von den Herausforderungen und Konturen des globalen Zeitalters überlagert wird. An die Stelle der imaginären Gemeinschaft der Nation tritt allerdings noch nicht die imaginäre Gemeinschaft der Menschheit.

Es ist eine Schlüsselerfahrung der modernen Gesellschaft, dass der Raum der Gesellschaft nicht mehr durch die Anwesenheit an einem Ort definiert und begrenzt wird. Dadurch unterscheidet sie sich wesentlich von den vormodernen Epochen. Laut Ulrich Beck bedeutet dies, dass geographische und soziale Nähe auseinander brechen. Man muss nicht an einem Ort leben, um zusammenzuleben, und an demselben Ort zu leben, heißt auf der anderen Seite keineswegs, zusammenzuleben.

Die Globalisierung eröffnet ein dreidimensionales Gesellschaftsbild

Die Durchsetzung und Stabilität einer territorialstaatlichen Weltordnung ist allerdings für Ulrich Beck auch von einer Art Globalisierung abhängig. Einzelne Nationalstaaten und diese staatliche Ordnung des Globus werden erst in der wechselseitigen Anerkennung möglich. Ulrich Beck vertritt die These, dass jeder einzelne Staat also gerade nicht aus eigener Souveränität entsteht, sondern erst dadurch, dass alle anderen Staaten die Prinzipien territorialstaatlicher Weltordnung und diesen Staat in seinen Grenzen anerkennen. Die Globalisierung des Territorialstaatsprinzips ist also die Voraussetzung seiner Geltung.

Allerdings sind Staaten und ihre Bevölkerungen vielfach miteinander verbunden, woraus sich auch die Notwendigkeit ergibt, dass die Identitätskonstruktionen einzelner Staaten, zum Beispiel der Pass, von allen anderen Staaten anerkannt werden müssen. Nur auf dieser Grundlage kann Handel, Verkehr und Austausch zwischen Staaten organisiert werden. Die Staatsbürgerschaft muss also mindestens insofern als globale Kategorie gelten, als die Bürger anderer Staaten von allen anderen Staaten anerkannt werden.

Nur unter der Bedingung, dass die sozialräumliche Organisation sozialer Beziehungen mit dem staatlich kontrollieren Territorium gleichgesetzt wird, lassen sich Gesellschaft, Kultur, Demokratie und Ökonomie als zugleich zusammengehörige und funktional differenzierte Sektoren innerhalb eines Ganzen begreifen und organisieren. Unter der Globalisierung versteht Ulrich Beck nicht nur die wirtschaftliche Internationalisierung, Verdichtung oder transnationale Verflechtungen oder Netzwerke. Die Globalisierung eröffnet viel weitergehender ein sozialräumliches, sozusagen dreidimensionales Gesellschaftsbild, das nicht lokal, nicht national und nicht territorial fixiert ist.

Von Hans Klumbies

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