Das Kartell der Rohstoffhändler macht gigantische Gewinne

Der Zugang zu Rohstoffen ist für die Weltwirtschaft von zentraler Bedeutung. Schon heute machen die Rohstoffe nach Gewicht rund zwei Drittel des Welthandels aus. Umso bedrohlicher ist für Gerhard Schick die Konzentration wirtschaftlicher Macht in diesem sensiblen Bereich. Fast jeder kennt das Kartell der Ölproduzenten – es heißt OPEC und ist staatlich organisiert. Damit sichern sich die Exportländer gewaltige Gewinne. Doch nicht nur beim Öl, sondern auch bei anderen Rohstoffen lassen sich kartellartige Strukturen beobachten. Hier sind es in der Regel private Firmen, die den Markt unter sich aufteilen. Als Beispiel nennt Gerhard Schick das Eisenerz, den Rohstoff für Stahl: Hier wird der Markt von drei Firmen dominiert, den multinationalen Bergbaugesellschaften Vale, Rio Tinto und BHP Billiton. Diese drei Konzerne kontrollieren 57 Prozent des weltweiten Handels. Der grüne Politiker Gerhard Schick zählt zu den versiertesten Ökonomen im Deutschen Bundestag.

Investmentbanken steigen in den Rohstoffhandel ein

Doch nicht nur beim Eisenerz verfügen Kartelle über immer mehr Macht. Ein weiteres Beispiel ist eine der größten Konzerne der Welt: Glencore: „Nut 190.000 Beschäftigten kontrolliert das Unternehmen aus dem Kanton Zug einen Löwenanteil des Rohstoffhandels: 60 Prozent bei Zink, 50 Prozent bei Kupfer und 45 Prozent bei Blei.“ Recherchen der „Financial Times“ haben ergeben, dass die Rohstoffhändler allein der letzten Dekade sagenhafte 250 Milliarden US-Dollar verdient haben. Das ist mehr als der Profit der fünf Autoriesen Toyota, Volkswagen, VW, Ford, BMW und Renault zusammen.

Von diesen traumhaften Gewinnen wurden in jüngster Zeit auch die Investmentbanken angelockt. Schon Ende des Jahres 2012 besaßen sie Rohstoffe im Wert von 35 Milliarden Dollar. Und während die Banken in den Markt für Rohstoffe einsteigen, machen sich die Rohstoffhändler auf den Finanzmärkten breit. Die großen Händler haben gewaltige Finanzreserven, die sie als Kredite an andere Firmen weiterreichen. Und plötzlich muss man sich im Finanzsystem nicht nur die Frage nach systemrelevanten Banken, sondern auch nach systemrelevanten Rohstoffhändlern stellen.

Wenige Großunternehmen beherrschen die virtuelle Welt

Auch im IT-Bereich und in der Dienstleistungssparte Internet lassen sich Zusammenballungen von Macht unschwer feststellen. Die Innovationsprozesse in diesen Sparten haben das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben in den letzten Jahrzehnten entscheidend geprägt. Gerhard Schick erklärt: „Fast alle Riesen dieser Industrie – von Apple, Google, Facebook, Amazon, eBay bis Yahoo – kommen dabei aus dem Silicon Valley, einem Gebiet zwischen San Francisco und San José. Diese lokale Konzentration steht sinnbildlich für die Vorherrschaft, die diese Konzerne in der virtuellen Welt errichtet haben.“

Für die heutige Generation ist es schlicht unmöglich, nicht in die Fänge dieser Großunternehmen zu geraten. Das Geschäftsmodell dieser mächtigen Firmen basiert auf ihrer Vormachtstellung im Markt. Die Macht dieser Konzerne ist für Gerhard Schick allerdings keine Privatsache mehr, denn die Infrastruktur, die sie geschaffen haben, kann auch missbraucht werden: „Google erstellt zum Beispiel ganze Bewegungs- und Verhaltensprofile zu Werbezwecken: Das ist besonders bedenklich, weil Googles Marktanteil an Suchanfragen in Deutschland 96 Prozent beträgt.“ Quelle: „Machtwirtschaft Nein Danke!“ von Gerhard Schick

Von Hans Klumbies

Ein Gedanke zu „Das Kartell der Rohstoffhändler macht gigantische Gewinne

  • 10. November 2015 um 05:09
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    Also ist die unsichtbare Hand nur ein saublödes erzkatholisches oder calvinistisches Dogma, das die Wirtschaft völlig falsch, weil realitätsfern beschreibt? DANKE an Mathias Binswanger dafür, dass er das Geheimnis der unsichtbaren Hand endlich gelöst hat!

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