Die Ethik fordert Grenzen für die Märkte

Märkte brauchen Grenzen vor allem dort, wo es um ethische Regeln geht. Gerhard Schick nennt als Beispiele den Handel mit Menschen oder geschützten Tierarten, die quälerische Verarbeitung von Tieren in der Fleischproduktion oder den Export von Waffen, deren grausames Zerstörungswerk man hinterher bedauert. Gerade in der globalisierten Wirtschaft kommt es hier zur Schizophrenie. Während viele Menschen im unmittelbaren Umfeld genau auf die Einhaltung bestimmter Werte achten, blenden sie häufig komplett aus, was am Anfang der Wertschöpfungskette der Produkte steht, die sie im Kaufhaus oder im Internethandel erstehen. Denn es fehlen in diesen Fällen zum einen in der Regel die Informationen, zum anderen schafft der Markt aber auch Distanz und Anonymität, was es offenbar leichter macht, moralische Einstellungen hintanzustellen. Der grüne Politiker Gerhard Schick zählt zu den versiertesten Ökonomen im Deutschen Bundestag.

Wirtschaftswachstum darf nur Mittel zum Zweck sein

Die Menschen sollten sich eingestehen, dass manches Wirtschaftswachstum nur auf Kosten ökologischer oder sozialer Veränderungen entsteht, die man vielleicht gar nicht wollte. Die Ausbeutung natürlicher Ressourcen ist ein sogenannter Wachstumstreiber. Gerhard Schick fügt hinzu: „Ebenso kommt es zu zusätzlichem Wirtschaftswachstum, wenn die Menschen dieselben Leistungen nicht mehr ehrenamtlich oder in den Familien, sondern gegen Entgelt als Anbieter auf einem Markt erbringen.“

Es ist für Gerhard Schick fraglich, ob Wirtschaftswachstum wirklich erstrebenswert ist, solange davon nur eine kleine Schicht profitiert und somit das Auseinanderdriften von Einkommen und Vermögen in einer Gesellschaft zunimmt. Ein wirkliches Austarieren zwischen den verschiedenen Dimensionen des Wohlstandskompasses kann allerdings nur funktionieren, wenn man nicht in einer Wirtschaftsordnung lebt, die auf Wachstum angelegt ist. Denn Wirtschaftswachstum kann für Gerhard Schick immer nur Mittel zum Zweck sein.

Gerhard Schick rät zu einer wachstumsärmeren Wirtschaft

Wirtschaftswachstum ist nur dann gut, wenn es dabei den Menschen besser geht, sonst nicht. Wachstum ist laut Gerhard Schick aber auch nicht der Grund allen Übels. Es handelt sich dabei eben nur um eine Zahl, die die jährliche Wertschöpfung innerhalt einer Volkswirtschaft angibt – gemessen daran, wie viele Menschen bereit sind, für Produkte und Dienstleistungen zu zahlen. Diese Wertschöpfung muss daher auch nicht per se ressourcenintensiv sein und zur Zerstörung der Umwelt beitragen.

Doch das ist alles Theorie. Denn bis jetzt ist es noch nicht gelungen, ein Mehr an Wachstum ohne ein Mehr an Ressourcenverbrauch und Verschmutzung zu ermöglichen. Gerhard Schick rät sich auf eine wachstumsarme Wirtschaft vorzubereiten und die Abhängigkeit von wirtschaftlichem Wachstum zu reduzieren. Dies gilt natürlich insbesondere für die reichen Volkswirtschaften des Nordens, die bereits in einer Phase sind, in der zusätzliches Wachstum der Durchschnittseinkommen unsicherer und weniger wichtig wird. Quelle: „Machtwirtschaft nein danke!“ von Gerhard Schick

Von Hans Klumbies


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