Niemand ist seinen Ängsten hilflos ausgeliefert

Islamistischer Terror, rechtsextremistische Gewalt, die Umtriebe antidemokratischer Bewegungen, zunehmender Nationalismus und rechter Populismus in den westlichen Demokratien, die Herausforderungen, die die Flüchtlingskrise mit sich bringt, die vermeintlich zunehmende Ungleichheit: Die Welt scheint sich im Dauerkrisenmodus zu befinden und ein Ende der schlimmen Ereignisse und negativen Entwicklungen scheint nicht in Sicht zu sein. Georg Pieper versucht, diesen Ängsten zu trotzen und sagt sich, dass man sich von ihnen nicht unterkriegen lassen darf. Als verantwortungsbewusster Bürger muss dagegenhalten, auch wenn es manchmal schwerfällt. Georg Pieper stellt fest: „Nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten konnte ich beobachten, wie auch bei besonnenen, reflektierten Menschen durch ein Schlüsselereignis die Angst plötzlich übermächtig werden kann und beginnt, das Denken und Handel zu beeinflussen.“ Dr. Georg Pieper arbeitet als Traumapsychologe und ist Experte für Krisenintervention.

Gewisse Gefahren und Risiken lassen sich nicht ausschalten

Umso wichtiger ist es Georg Pieper, zu vermitteln, dass man der Angst nicht hilflos ausgeliefert ist. Man hat eine ganze Reihe an Möglichkeiten, konkreten Ängsten und dem allgemeinen Gefühl von Unsicherheit entgegenzuwirken. Angst kann man nicht verbieten, das ist klar. Auch sich selbst nicht. Aber man kann etwas dagegen tun, dass sie das eigene Denken und Handeln beherrscht. Georg Pieper weiß: „Ob die Angst in unserem Leben Regie führt oder wir selbst auf dem Regiestuhl sitzen, liegt zu einem großen Teil an uns selbst.“

Die meisten Menschen haben ein starkes Sicherheitsbedürfnis. Sie möchten beschützt sein und frei von Bedrohungen und Leid leben können. Das ist verständlich, aber leider ein Wunsch, der sich nicht immer ganz erfüllen lässt. Es gibt nun einmal bestimmte Gefahren und Risiken, und im Moment sind es sogar ein paar mehr als sonst. Georg Pieper betont: „Wie sehr es uns auch widerstreben mag, wir müssen akzeptieren lernen, dass es keine absolute Sicherheit geben kann. So ist unsere Welt nicht, und man tut gut daran, sich damit zu arrangieren.“

Gegenüber Gefahren ist weder Ignoranz noch Hysterie angebracht

Aus psychologischer Sicht empfiehlt Georg Pieper, sich folgende Haltung zu eigen zu machen: „Ich tue alles dafür, dass sich sicher leben kann, aber es kann trotzdem etwas passieren.“ In ständiger Angst vor möglichem Unheil zu leben ist genauso schädlich, wie sich im Gegensatz dazu einzureden, dass einem selbst nichts passieren kann nach dem Motto: „Es geschehen zwar schlimme Dinge auf der Welt, aber mir nicht, mich trifft keine schwere Krankheit, kein Verlust, kein Unfall, kein Anschlag auf mein Leben.“

Wer diese unrealistische Vorstellung verinnerlicht hat, kommt nach der Erfahrung von Georg Pieper am schlechtesten damit klar, wenn ihn tatsächlich ein Schicksalsschlag treffen sollte. Ein gesundes Verhältnis zu Risiken zu entwickeln und im Umgang mit Gefahr die Balance zwischen Ignoranz und Hysterie zu bewahren, ist angesichts der aktuellen Situation keine leichte Aufgabe. Das haben nach der Einschätzung von Georg Pieper die rechten Populisten als Chance für sich erkannt. Sie schüren bestimmte Ängste bei den Menschen und versuchen deren Verunsicherung für sich zu nutzen, indem sie ihnen vorgaukeln, einfache Lösungen zu kennen, mit denen sie alle Probleme in den Griff bekommen, und dafür sorgen zu können, dass das Sicherheitsgefühl wieder voll und ganz hergestellt wird. Quelle: „Die neuen Ängste“ von Georg Pieper

Von Hans Klumbies

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.