Ohne Veränderung langweilen sich die meisten Menschen rasch

Die Verdrahtung des menschlichen Gehirns ist schuld daran, dass vertraute Dinge einen Menschen schnell langweilen. Nur Veränderungen versetzen die neuronalen Netzwerke in Aktion. Fumio Sasaki schreibt: „Veränderungen lösen in unserem Gehirn Reize aus. Deswegen schwindet unser Glücksgefühl, wenn wir etwas schon länger besitzen.“ Früher sehnte man sich nach diesem Gegenstand, doch sobald man ihn hat, registriert das Gehirn, dass sich nichts mehr ändert, die Gewöhnung setzt ein. Der Reiz lässt nach, man nimmt den Gegenstand als selbstverständlichen Teil seines Lebens hin. Ohne Veränderung, ohne einen neuen Stimulus, beginnen die meisten Menschen rasch, sich zu langweilen. Dieser außerordentlich starke Effekt, kann einem das schönste Leben verderben. Er sorgt zum Beispiel dafür, dass man Kleidung, die man im Geschäft sah und hefig begehrte, später grässlich findet. Fumio Sasaki arbeitete als Cheflektor des japanischen Verlages Wani Books, bevor er freier Autor wurde.

Für die Euphorie eines Menschen gibt es eine Obergrenze

Eine Besonderheit dieses Phänomens hält Fumio Sasaki noch für erwähnenswert: „Gemeinerweise tritt der Gewöhnungseffekt allein beim Eigentümer auf.“ Ein Ring, der beispielsweise 5.000 Euro gekostet hat, bleibt in den Augen Außenstehender weiterhin begehrenswert, nur sein Besitzer mag ihn nicht mehr sehen. Das liegt daran, dass die Außenstehenden nie die Gelegenheit bekamen, sich an diesen Ring zu gewöhnen. Man weiß, dass sich Menschen schrecklich schnell an neue Reize gewöhnen.

Traurig, aber wahr: Egal, ob man sich einen Ring für 100, 500 oder 5.000 Euro kauft – das gefühlte Glück ist jedes Mal gleich groß. Für den Preis von Luxusgegenständen gibt es keine Obergrenze, wohl aber für die Euphorie eines Menschen. Doch egal wie reich man wird und wie viele Dinge man anhäuft, der persönliche Besitz wird einen kaum glücklicher machen als man es heute schon ist. Es gibt einfach Grenzen für die Freude an neuen Dingen. Darüber hinaus gibt es auch physische Grenzen wie die Größe des Magens.

Das Glück schmilzt nach jedem Kauf schnell dahin

Das Gleiche gilt auch für die Funktion von Dingen. Wüchse der praktische Nutzen von Dingen proportional zu ihrem Preis, könnten Geld und Besitz einen Menschen sehr glücklich machen. Doch ein doppelt so teures Auto bringt einen nicht in der halben Zeit ans Ziel und eine doppelt so teure Daunenjacke hält nicht doppelt so warm. Viele Menschen wissen schon beim Kauf einer Sache, dass sie ihrer irgendwann einmal überdrüssig werden. Warum kauft man dann ständig Neues, wenn es überhaupt nichts bringt?

Fumio Sasakis Ansicht deswegen, weil viele Menschen die Gegenwart dazu heranziehen, um ihre zukünftigen Gefühle abzuschätzen: „Wir mögen die einzige Spezies mit der Fähigkeit sein, sich ihre Zukunft auszumalen – doch mit unseren Prognosen verhauen wir uns katastrophal.“ Die meisten Menschen können nicht einmal korrekt voraussehen, wie hungrig sie in 30 Minuten sein werden. Auch fällt es unheimlich schwer vorherzusehen, wie das Glück nach einem Kauf dahinschmilzt – von der anfänglichen Freude über Vertrautheit bis hin zur Langeweile. Quelle: „Das kann doch weg!“ von Fumio Sasaki

Von Hans Klumbies

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