Freimaurer wollen wertvollere Mitglieder der Gesellschaft werden

Der promovierte Strafrechtler Christian Baumgartner, der eine Kanzlei im bayerischen Waldkirchen betreibt, ist Freimaurer. Er ist Gründungslogenmeister der Johannes-Loge zum Goldenen Steig in Passau. Er war Kapitel-Meister von Bayern, Thüringen und Sachsen und sogar oberster Richter des deutschen Freimaurer Ordens. Nur wenige Freimaurer in Deutschland sind in eine so hohe Position aufgerückt wie Christian Baumgartner. Den Freimaurern eilt ein gewisser Ruf voraus, da ist die Rede von seltsamen Ritualen und makaberen Prüfungen. Christian Baumgartner widerspricht: „Wir arbeiten in der Freimaurerei zwar mit Symbolen, Begriffen und Bildern. Aber es gibt keine Horrorszenarien.“ Vielmehr beschreibt der Jurist das Wesen der Freimaurerei als die Möglichkeit, zu sich selbst zu finden, an der eigenen Persönlichkeit zu arbeiten, um so ein wertvolleres Mitglied der Gesellschaft zu werden.

Die Freimaurer kennen keine Dogmen

Eines der Bilder, die die Freimaurer dabei verwenden, ist das des unbehauenen, rauen Steins, der mit Hilfe des Winkelmaßes des Rechts und dem Zirkel der Pflicht zu einem perfekten Stein wird. Christian Baumgartner erklärt: „Die Arbeit am rauen Stein ist das, was wir machen, wir helfen uns gegenseitig, bessere Menschen zu werden – und als Ordensfreimaurer tun wir das eben unter dem Blickwinkel des Christentums.“ Man muss allerdings kein Mitglied der Kirche sein. So ist zum Beispiel etwa die Hälfte der Freimaurer in Passau nicht konfessionell gebunden.

Christian Baumgartner betont, dass Freimaurer keine Dogmen kennen. Würde der Orden jemanden vorschreiben, an was er zu glauben habe, dann wären die Freimaurer eine Sekte oder so etwas wie Scientology – genau dies aber will der Freimaurerorden nicht. Christian Baumgartner weist auch den Vorwurf strikt zurück, dass die Freimaurer eine Geheimgesellschaft seien. Er sagt: „Man kann alles über uns lesen, alle Rituale sind im Internet zu finden. Was wir aber sind, ist eine geschlossene Gesellschaft mit offenem Herzen für die Brüder und die Menschen.“

Wolfgang Amadeus Mozart und Johann Wolfgang von Goethe waren auch Freimaurer

Christian Baumgartner gibt allerdings zu, dass es zwei Punkte gibt, an dem die Freimaurer nicht sagen, was sie tun – und zwar beim Ritual der Aufnahme in die Freimaurer-Loge und dem Weg durch die Erkenntnisgrade. Christian Baumgartner nennt den Grund: „Jeder, der den Weg zu uns findet, soll unvoreingenommen an die Sache herangehen und es selbst erleben. Es sind wunderschöne, ergreifende Rituale.“ Es geht in jeder Erkenntnisstufe darum, den geistigen Horizont zu erweitern.

Bei diesen Ritualen arbeiten die Freimaurer mit Bildern und Musik, vorzugsweise mit der von Wolfgang Amadeus Mozart, der auch Freimaurer war. In seiner „Zauberflöte“ kommen laut Christian Baumgartner viele Bilder der Freimaurer des 18. Jahrhunderts vor, so wie auch im „Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe, der ebenfalls zu den Freimauern gehörte. Wer wie diese großen Künstler Freimaurer werden möchte, muss bereit sein, an sich selbst zu arbeiten. Er muss von gutem Ruf sein, also ein anständiger Mensch. Der Beruf, die Herkunft und das Vermögen spielen dabei keine Rolle. Quelle: Passauer Neue Presse

Von Hans Klumbies

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