Fragen sind oftmals versteckte Aussagen

Wie das Lob bieten sich auch Fragen als Werkzeuge der Fremdsteuerung an. Wenn man eine Frage gestellt bekommt, fühlt man sich wahrgenommen und spürt, dass sich jemand für einen interessiert. Zumindest meinen die meisten Menschen, dass jemand etwas von ihnen wissen will. Reinhard K. Sprenger warnt: „Aber das Fragen hat eine tückische Kehrseite. Die meisten Fragen sind nämlich keine Fragen, sondern Aussagen. In ihnen ist immer eine ganz bestimmte These, Annahme, Behauptung eingelassen, die allerdings auf den ersten Blick nicht kenntlich ist.“ Fragen sind Aussagen, die sich verstecken wollen, während Aussagen kenntlich und erkennbar sind. Derjenige, der fragt, will keine Position beziehen, will nicht klar sagen, was er erlebt, er will in Deckung bleiben. Reinhard K. Sprenger ist promovierter Philosoph und gilt als einer der profiliertesten Managementberater und Führungsexperte Deutschlands.

Sokrates wandte das Manipulative des Fragens perfekt an

Aber für den anderen lässt der Fragende diese Deckung nicht gelten. Denn wenn uns jemand eine Frage stellt, sind wir „gestellt“. Mit Fragen nötigt man den anderen zu reagieren, zwingt ihn zu einer Antwort. Es gilt ja als ausgesprochen unhöflich, eine Frage unbeantwortet zu lassen. Man wird genötigt, etwas zu sagen, dass man vielleicht gar nicht sagen will – jedenfalls nicht in diesem Augenblick. Das bedrängt den Befragten, macht ihn verlegen, bringt ihn in die Defensive. Aus der kann man sich nur befreien, wenn man eine Gegenfrage stellt.

Eine Gegenfrage ist allerdings für viele Menschen der Gipfel der Unhöflichkeit. Die Macht an sich reißen, indem man fragt. Manche Menschen spüren das Bedrängende des Fragens. Wer fragt, der führt … den anderen dann an der Nase herum. Reinhard K. Sprenger nennt ein Beispiel: „Das Manipulative des Fragens ist von Sokrates perfekt vorgeführt worden. Nie hat er etwas wissen wollen, immer hat er es schon gewusst. Und den Befragten zum Stichwortgeber degradiert. Die Fragen sind so aus- und eingerichtet, dass sich die vorausberechneten Antworten von selbst einstellen.“

Die Flucht in die Erklärung ist eine Flucht aus der Verantwortung

Reinhard K. Springer gibt einen Rat. Wenn man fragt, ist es mindestens fair, immer auch kurz den Hintergrund der Frage, die dahinter stehende These mit zu nennen, um den anderen nicht in die Falle laufen zu lassen. Wenn man selbst der Befragte ist, sollte man niemanden antworten, der lauert. Schwierigkeiten und Probleme lassen viele Menschen nach dem Warum fragen. In Wirklichkeit stellen sie damit die Schuldfrage. Nach dem Grund fragen heißt oft Schuldige suchen. Vielen Menschen ersetzt so das kluge Darüber-Nachdenken das Handeln.

Reinhard K. Sprenger erläutert: „Sie investieren viel Zeit und Energie in das Erklären, um eines nicht tun zu müssen: handeln. Sie beuten ihre Geschichte als Entschuldigungs- und Beschuldigungskatalog aus, der erklärt, warum dieses oder jenes in ihrem Leben nicht funktioniert oder dieses oder jenes in ihrem Leben nicht stattfindet. Die Flucht in die Erklärung ist gleichbedeutend mit der Flucht aus der Verantwortung.“ Eines steht für Reinhard K. Sprenger auch fest: Die Antwort auf die Frage „Warum?“ ist immer eine Erfindung. Quelle: „Die Entscheidung liegt bei dir!“ von Reinhard K. Sprenger

Von Hans Klumbies

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