Erfindungen fördern die Bewegung der Aufklärung

Die Bewegung der Aufklärung wurde beflügelt durch die großen Erfindungen der Neuzeit wie Buchdruck, Seekompass, Schiffsuhr, Fernglas, Mikroskop und so weiter. Diese Innovationen trugen direkt oder indirekt zur Verbesserung der Erfahrungserkenntnis bei. Entdeckungsreisen erweiterten die Kenntnis der Erde und der auf ihr lebenden Menschen, Tiere und Pflanzen in ungeheurem Ausmaß. Die Weltumsegelungen von James Cook, der von 1728 bis 1779 lebte, bildeten das eindrucksvollste Beispiel. Sein wissenschaftlicher Begleiter Georg Forster schrieb: „In einem gleichen Zeitraum hat niemand je die Grenzen unseres Wissens in gleichem Maße erweitert.“ Mithilfe von Fernrohr und Mikroskop eröffneten sich neue Makro- und Mikrowelten. Die Grenzen dieser Instrumente ließen aber auch ahnen, wie viele Dinge im Universum weiter verborgen bleiben müssen. Eine besondere Leitbildfunktion hatte die wissenschaftliche Revolution des 17. Jahrhunderts.

Sichere Naturerkenntnis ist nur durch das Experiment möglich

Herausragend waren die berühmten Versuche von Galileo Galilei (1564 – 1642) und die Synthese der Dynamik, Himmelsmechanik und Optik von Isaac Newton (1642 – 1727). In der Folge wurden die Methoden zur Gewinnung von Erfahrung erweitert und verbessert. Zu der passiven und zufälligen Wahrnehmung traten verstärkt die systematische Beobachtung und Messung sowie das Experiment hinzu. Es kam der Begriff „experimental philosophy“ in Mode, der durchaus im weiten Sinnen als „Erfahrungsphilosophie“ verstanden werden kann.

Dem Experiment im Sinne des wissenschaftlichen Versuchs im Labor oder im Feld kam dabei ein besonderer Stellenwert zu. Es entwickelte sich zum Paradefall wissenschaftlicher Erfahrung. Eine deskriptive Naturgeschichte sollte den Boden für eine Naturphilosophie bereiten. Experiment und Induktion galten als die alleinigen Methoden zur Gewinnung allgemeiner und sicherer Naturerkenntnis. Auf durch Erfahrung nicht prüfbare metaphysische Voraussetzungen, sogenannte Hypothesen wurde verzichtet.

Francis Bacon veränderte den Begriff der Erfahrung

Der aristotelischen Schulphilosophie hielten die neuen Erfahrungsphilosophen vor, sie hätten den Bereich der Erfahrung unklugerweise Handwerkern und Krämern überlassen. Sie selbst hätten sich in nutzlosen Spekulationen ergangen und Autoritäten mehr geglaubt als eigenen Beobachtungen und Experimenten. Die Aufwertung der Erfahrung in der Experimentalphilosophie führte übrigens nicht zwingend zu einer Abwertung des Verstandes oder der Vernunft. Entscheidend sei vielmehr das richtige Zusammenspiel beider Instanzen.

Waren Galileo Galilei und Isaac Newton herausragende Vertreter der Experimentalphilosophie, so galt Francis Bacon, der von 1561 bis 1626 lebte, als ihr Inaugurator, Programmatiker und Propagandist. Zugleich veränderte Francis Bacon den Erfahrungsbegriff. Während Aristoteles Erfahrung auf Fähigkeiten zur einzelfallbezogenen Kenntnis und Unterscheidung beschränkt hatte, weitete Francis Bacon sie auf die Resultate regelgeleiteter Erforschung allgemeiner Zusammenhänge aus. Die wissenschaftlichen Erfahrungen können und sollen die zuvor gehegten Vorurteile beseitigen. Quelle: „Handbuch Europäischer Aufklärung“ von Heinz Thoma (Hrsg.)

Von Hans Klumbies

Ein Gedanke zu „Erfindungen fördern die Bewegung der Aufklärung

  • 24. Januar 2018 um 09:54
    Permalink

    Die Bewegung der Aufklärung wurde beflügelt durch die großen Erfindungen der Neuzeit wie Buchdruck, Seekompass, Schiffsuhr, Fernglas, Mikroskop und so weiter. Diese Innovationen trugen direkt oder indirekt zur Verbesserung der Erfahrungserkenntnis bei. Entdeckungsreisen erweiterten die Kenntnis der Erde und der auf ihr lebenden Menschen, Tiere und Pflanzen in ungeheurem Ausmaß. Die Weltumsegelungen von James Cook, der von 1728 bis 1779 lebte, bildeten das eindrucksvollste Beispiel. Sein wissenschaftlicher Begleiter Georg Forster schrieb: „In einem gleichen Zeitraum hat niemand je die Grenzen unseres Wissens in gleichem Maße erweitert.“ Mithilfe von Fernrohr und Mikroskop eröffneten sich neue Makro- und Mikrowelten. Die Grenzen dieser Instrumente ließen aber auch ahnen, wie viele Dinge im Universum weiter verborgen bleiben müssen. Eine besondere Leitbildfunktion hatte die wissenschaftliche Revolution des 17. Jahrhunderts.

    Sichere Naturerkenntnis ist nur durch das Experiment möglich

    Herausragend waren die berühmten Versuche von Galileo Galilei (1564 – 1642) und die Synthese der Dynamik, Himmelsmechanik und Optik von Isaac Newton (1642 – 1727). In der Folge wurden die Methoden zur Gewinnung von Erfahrung erweitert und verbessert. Zu der passiven und zufälligen Wahrnehmung traten verstärkt die systematische Beobachtung und Messung sowie das Experiment hinzu. Es kam der Begriff „experimental philosophy“ in Mode, der durchaus im weiten Sinnen als „Erfahrungsphilosophie“ verstanden werden kann.

    Dem Experiment im Sinne des wissenschaftlichen Versuchs im Labor oder im Feld kam dabei ein besonderer Stellenwert zu. Es entwickelte sich zum Paradefall wissenschaftlicher Erfahrung. Eine deskriptive Naturgeschichte sollte den Boden für eine Naturphilosophie bereiten. Experiment und Induktion galten als die alleinigen Methoden zur Gewinnung allgemeiner und sicherer Naturerkenntnis. Auf durch Erfahrung nicht prüfbare metaphysische Voraussetzungen, sogenannte Hypothesen wurde verzichtet.

    Francis Bacon veränderte den Begriff der Erfahrung

    Der aristotelischen Schulphilosophie hielten die neuen Erfahrungsphilosophen vor, sie hätten den Bereich der Erfahrung unklugerweise Handwerkern und Krämern überlassen. Sie selbst hätten sich in nutzlosen Spekulationen ergangen und Autoritäten mehr geglaubt als eigenen Beobachtungen und Experimenten. Die Aufwertung der Erfahrung in der Experimentalphilosophie führte übrigens nicht zwingend zu einer Abwertung des Verstandes oder der Vernunft. Entscheidend sei vielmehr das richtige Zusammenspiel beider Instanzen.

    Waren Galileo Galilei und Isaac Newton herausragende Vertreter der Experimentalphilosophie, so galt Francis Bacon, der von 1561 bis 1626 lebte, als ihr Inaugurator, Programmatiker und Propagandist. Zugleich veränderte Francis Bacon den Erfahrungsbegriff. Während Aristoteles Erfahrung auf Fähigkeiten zur einzelfallbezogenen Kenntnis und Unterscheidung beschränkt hatte, weitete Francis Bacon sie auf die Resultate regelgeleiteter Erforschung allgemeiner Zusammenhänge aus. Die wissenschaftlichen Erfahrungen können und sollen die zuvor gehegten Vorurteile beseitigen. Quelle: „Handbuch Europäischer Aufklärung“ von Heinz Thoma (Hrsg.)

    Von Hans Klumbies
    ← Träume sind Gefühle in bewegten Bildern

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.