Es lohnt sich in die Bildung der Jüngsten zu investieren

In der Gegenwart finanziert der deutsche Staat vor allem den gut ausgebildeten Nachwuchs der Mittelschicht. Einige Ökonomen behaupten inzwischen, dass es viel sinnvoller wäre, dieses Geld zu nehmen und es in die vernachlässigten Kinder der Unterschicht zu investieren. Für den Bildungsökonomen Ludger Wößmann geht die Gleichung, viel Geld ist gleich viel Bildung, nicht auf. Er erklärt: „In den meisten Bildungsbereichen können wir keinen wissenschaftlichen Zusammenhang zwischen eingesetzten Mitteln und Bildungserfolg herstellen.“

Geld macht nicht klüger

Der Wissenschaftler Ludger Wößmann hat auch herausgefunden, dass eine Verkleinerung der Klassen, die Schüler auch nicht klüger macht. Es gibt keine Beziehung zwischen der Anzahl der Schüler in einer Klasse und dem Lernerfolg. Geld macht nicht klüger – dieser Satz gilt nicht nur in Deutschland sondern weltweit. Die Nationen, die in der internationalen Pisa-Studie beim Lernerfolg vorne lagen, haben häufig sogar noch weniger Geld für die Bildung ausgegeben als die deutsche Regierung.

Im Bildungswesen Deutschlands ist nicht der Geldmangel das größte Defizit. Viel schlimmer ist, dass das Bildungssystem ungerecht und ineffizient ist. Die Investitionen in die Bildung treffen nicht diejenigen Kinder, die sie am dringendsten benötigen würden. James Heckman, Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften, hat in einer Langzeitstudie folgendes herausgefunden: „Investitionen in die frühkindliche Bildung stiften dramatisch höhere Renditen als Investitionen in späteren Bildungsphasen.“

Der Staat sollte in Kinderkrippen und Hebammen investieren

Die Bertelsmann-Stiftung hat in einer „Krippen-Studie“ herausgefunden, dass Krippen-Kinder eher Abitur machen und vor allem die Kinder aus benachteiligten Familien vom Krippenbesuch profitieren. Wer bei Investitionen in Bildung eine möglichst hohe Rendite erzielen möchte, sollte in die Babys aus bildungsfernen Milieus investieren. Es lohnt sich also für den Staat, für Kinderkrippen und Hebammen Geld auszugeben. Die Hebammen sollen sich in den ersten Monaten um die Kinder überforderter Eltern kümmern.

Wer schon als Baby eine beschützende, liebende, stärkende und stimulierende Umgebung hat, kann die Bildungsangebote, die ihn in seiner Kindheit und Jugend erwarten, besser wahrnehmen. Es hat bessere Lernerfolge als ein Kind, das als Baby vernachlässigt wurde. Man könnte auch sagen, das behütete Baby wird einmal Steuern zahlen, während das Baby, das in sozial schwierigen Verhältnissen aufwachsen musste, auf Transferleistungen des Staates angewiesen sein wird.

Die verfehlte Bildungspolitik in Deutschland

Der Bildungsökonom Friedhelm Pfeiffer glaubt sogar, dass Hebammen möglicherweise mehr für die Bildung bringen würden als Professoren. Doch im deutschen Bildungssystem sind die Ergebnisse dieser Forschungen noch nicht angekommen und wenn sie bekannt sind, werden sie nicht umgesetzt. Für die frühkindliche Bildung wird wenig Geld investiert und wenn, dann in die Kinder der Mittelschicht und der Besserverdienenden.

In der späteren Bildungsphase wird mehr Geld für die Bildung ausgegeben und wieder meistens für die Privilegierten. Das erschreckende Ergebnis dieser verfehlten Bildungspolitik sieht so aus: Fast 25 Prozent der 15-Jährigen in Deutschland können nicht richtig lesen, schreiben oder rechnen.

Von Hans Klumbies

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