Eine gesunde Seele braucht die offene Kommunikation

Die Grundlage einer Interaktion ist das Verstehen zwischen Ich und Du, das allerdings immer lückenhaft ist. Jeder Mensch kann laut Ronald David Laing nur vermuten, was der andere denkt und meint. Hier tut sich seiner Meinung nach ein Tor zu allen möglichen seelischen Vergewaltigungen auf, wenn eine Person A soviel Macht besitzt, um einer Person B zuschreiben, was diese bewusst oder unbewusst befindet. Ronald David Laing definiert das Unbewusste als jenen Seelenanteil, den der Mensch weder sich selbst noch anderen mitteilt. Es ist kein Sack mit perversen Trieben, sondern ein Teil der Persönlichkeit, der nicht kommunizierbar ist.

In der Sexualität werden Phantasie und Realität ausgetauscht

Ronald David Laing vermutet, dass niemand so recht weiß, woraus die Wirklichkeit besteht. Familien, Gruppen und Völker einigen sich auf phantastische Gebilde, die sie Realität nennen. Der Mensch ist in sozialen Netzen gefangen und wird zum Psychotiker, wenn er aus der übergroßen Verstrickung mit ungeeigneten Mitteln ausbrechen will. Wer die Kraft besitzt, sich neben der Normenwelt eine eigene Welt aufzubauen, ist ein Künstler, wer daran scheitert ist ein Gemütskranker.

Vor allem in der Sexualität sieht Ronald David Laing einen Freiraum für alternative Lebensstile, in denen Phantasie und Realität oft genug ausgetauscht werden. In allen sexuellen Perversionen ist das begleitende Spiel der Phantasie wichtiger als der sexuelle Akt, wobei das Erdachte weder sozial noch kooperativ ist. Angst und Machtbedürfnis sind die Antriebe dieser Phantasie, deren Ursprung im geteilten Selbst liegt, dass sich sowohl von der Mitwelt als auch vom eigenen Leib weitgehend verabschiedet hat.

Wer sein Selbst vor anderen verbirgt, wird krank

In der Vorgeschichte einer jeden Psychose ist nach Ronald David Laing ein gewaltiges Defizit an angenommen sein und bestätigt zu werden festzustellen. Menschen mit schizophrenen Lebensläufen werden von Kindheit an verkannt, missverstanden und negiert, wodurch schreckliche Traumatisierungen entstehen. Eine Variante des nicht Anerkennens beim Heranwachsenden besteht darin, dass immer ein falsches Selbst Bestätigung erhält.

So können Eltern beispielsweise ein Kind immer loben, wenn es seine brave Rolle spielt, die den Erziehenden als Ideal vorschwebt. Auch die Religion, der Patriotismus und das Spießbürgertum glorifizieren das falsche Selbstsein. Wo ein Ich und ein Du eine Koalition eingehen, um ihr falsches Selbst wechselseitig zu pflegen, spricht man von Kollusion oder heimlichen Einverständnis.

Seelische Gesundheit ist für Ronald David Laing nur dort fassbar, wenn Menschen freimütig und offen miteinander kommunizieren. Nur wer sein Selbst dem anderen zu zeigen wagt, hat die Chance, es weiter zu entwickeln. Menschen, die ihr Selbst vor anderen verbergen sind meist schon krank, oder auf dem besten Weg krank zu werden. Schon C.G. Jung kannte die pathogene Macht der Geheimnisse, die Menschen nicht preisgeben wollen.

Von Hans Klumbies


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