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Der evolutionäre Sinn des Gefühls der Eifersucht

Die Eifersucht ist keineswegs nur ein Phänomen der Erwachsenenwelt. Kinder können schon im Alter von einem halben Jahr eifersüchtig auf ihre Geschwister werden, die anscheinend mehr Zuneigung von den Eltern erfahren. Die Eifersucht der Erwachsenen bezieht sich nicht nur auf menschliche Konkurrenz, sondern auch auf die Arbeit oder die Steckenpferde des geliebten Partners. Für Evolutionspsychologen ist die Eifersucht ein sinnvolles Gefühl, da es sich bemerkbar macht, wenn eine Partnerschaft oder Ehe bedroht und damit die Fortpflanzung in Gefahr gerät. Besonders stark ausgeprägt ist die Eifersucht bei Menschen, die sich selbst wesentlich unattraktiver empfinden als ihren Partner.

Die unterschiedlichen Formen der Eifersucht beim Mann und der Frau

Männer und Frauen entwickeln unterschiedliche Formen der Eifersucht. Männer sind beispielsweise besonders gereizt, wenn sie den Verdacht haben, dass ihre Frau Sex mit einem anderen Mann hat. Sie sind dann eher bereit als Frauen, eine Beziehung zu beenden. Frauen sind hingegen eifersüchtig, wenn sie das Gefühl haben, ihr Mann sei ihnen emotional untreu. In diesem Fall sind die Frauen eher bereit als Männer, ihren Partner zu verlassen. Evolutionspsychologen erklären den Unterschied damit, dass das vorrangige Interesse der Frauen darin besteht, dass ihr Partner als Versorger erhalten bleibt.

Männer sind in der Regel eifersüchtiger auf Nebenbuhler, die als umsichtige Versorger gelten oder reich sind. Zudem sind sie eifersüchtig auf ihre Frau, wenn sie fremdgeht, da sie sich dann nicht mehr sicher sein können, ob sie der wahre Erzeuger des Nachwuchses sind, den sie bisher für ihren hielten. Frauen fürchten vor allem jene Konkurrentinnen, die augenscheinlich jünger und schöner sind als sie selbst.

Die Komplexität der Eifersucht

Es gibt Beziehungen, die besonders anfällig für den Ausbruch von Eifersuchtsszenen sind. Das Gefühl ist stärker bei Männern, die mit besonders schönen und intelligenten Frauen zusammenleben. Frauen hingegen werden eher von der Eifersucht geplagt, wenn sie sehr vermögende Partner haben. Diese Unterschiede der männlichen und weiblichen Eifersucht stellen Kenneth Levy und Kristin Kelly allerdings infrage. Sie haben herausgefunden, dass es vorwiegend auf die Art der Beziehung ankommt, ob sexuelle oder emotionale Vernachlässigung den Partner stärker verwunden.

In der aktuellen Psychologie wird die Eifersucht von den Wissenschaftlern als vielschichtiges Gefühl mit unterschiedlichen Adressaten verstanden. Wenn sich ein Partner abwendet, entstehen beim Verlassenen die Gefühle Trauer, Ärger und Neid die von Selbstmitleid und der Empfindung der sozialen Demütigung begleitet werden. Weil der Zurückgebliebene tief gekränkt ist, schreibt Stendhal über die Eifersucht folgendes: „Der Schmerz der Eifersucht ist deshalb so bitter, weil die Eitelkeit sich gegen ihn sträubt.“

Von Hans Klumbies

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