
August 29, 2010 | Geschrieben von admin-w57 - Kategorie
Psychologie
Der Stolz hat zwei Gesichter: Auf der einen Seite kann er Personen arrogant und überheblich machen, auf der anderen Seite kann er sympathische Chefs hervorbringen. Für den großen Schriftsteller Dante überwogen die negativen Aspekte des Stolzes. Er betrachtete den Stolz als etwas Schlimmeres als den Neid und den Zorn. Völlig anderer Ansicht war dagegen Aristoteles. Er bezeichnete den Stolz als die Krone der Tugenden und sagte: „Jeder muss verachtet werden, der seinen eigenen Wert nicht erkennt.“ In der Geschichte der Menschheit hat also nie Übereinstimmung darüber geherrscht, wie der Stolz zu bewerten ist. Heute hat sich daran immer noch nichts geändert.
Der authentische und der anmaßende Stolz
Der Stolz ist ein ambivalentes Gefühl: Der Stolz auf die eigenen Leistungen kann den Menschen zu übermenschlichen Taten beflügeln, verletzter Stolz dagegen kann Ehen vernichten und Kriege auslösen. Die Psychologin Jessica Tracy von der British Columbia University unterscheidet folglich zwei Arten des Stolzes, den authentischen und den anmaßenden Stolz. Sie ordnet die beiden Varianten jeweils verschiedenen Charaktertypen zu. Menschen, die auf ihre eigene Leistung stolz sind, sind in der Regel angenehme Mitmenschen, die einen großen Freundeskreis haben, emotional stabil sind und eine gute Partnerschaft pflegen.
Der anmaßende Stolz zeichnet sich laut Jessica Tracy dadurch aus, dass Menschen auf ihre naturgegebene Zugehörigkeit zu einer Nation stolz sind. Diese Personengruppe ist anfällig für chronische Angstzustände und asoziales Verhalten. An der Körpersprache kann man stolze Menschen ganz leicht erkennen. In der Regel präsentieren sie ihren Körper, gehen mit erhobenem Kinn durch die Menge oder stemmen die Fäuste in die Hüften. Jessica Tracy hat herausgefunden, dass sogar blinde Sportler diese stolzen Gesten ausführen.
Der Stolz ist das stärkste Statussymbol der Menschen
Für Jessica Tracy ist der Stolz somit ein angeborenes Gefühl. Allerdings zeigen Kinder zum ersten Mal die Gesten des Stolzes, wenn sie vier Jahre alt sind. Erst zu diesem Zeitpunkt haben sie die „Theorie of Mind“ entwickelt, wodurch sie ihre eigenen Leistungen mit denen anderer Kinder vergleichen können. Jessica Tracy und ihr Forscherkollege David Matsumoto haben ein weiteres Merkmal des Stolzes durch ihre Studien belegt: In allen Kulturen äußerst sich der Stolz auf die gleiche Art und Weise. Der Stolz ist ein universelles Gefühl.
Zur Funktion des Stolzes sagt Jessica Tracy folgendes: „Stolz ist das stärkste Statussymbol, das wir kennen. Wer Stolz auf seine eigene Leistung zeigt, empfinden andere als sozial höher gestellt – und sie mögen ihn dafür.“ Gleichzeitig steigt die Motivation bei der stolzen Persönlichkeit zu weiteren Höchstleistungen. Dennoch gibt es auf der Welt Unterschiede. In Ländern wie China, wo die Gesellschaft alles und der Einzelne wenig zählt, gilt der persönliche Stolz als unangemessen und inakzeptabel. Beim Nationalstolz liegen die US-Amerikaner ganz vorne, den letzten Rang belegen die neuen Bundesländer im Osten der Bundesrepublik Deutschland.
Von Hans Klumbies
Kategorien: Psychologie |
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