Die Würde zeichnet den Menschen vor allen Geschöpfen aus

Laut Immanuel Kant kann sich der Mensch anders als alle anderen Lebewesen in „sittlicher Autonomie“ über seine natürlichen Triebe erheben und sich von der Moral leiten lassen. Der Philosoph aus Königsberg scheibt: „Nun sage ich: der Mensch, und überhaupt jedes vernünftige Wesen, existiert als Zweck an sich selbst, nicht bloß als Mittel zum beliebigen Gebrauche für diesen oder jenen Willen, sondern muss in allen seinen sowohl auf sich selbst, als auch auf andere vernünftige Wesen gerichteten Handlungen jederzeit zugleich als Zweck betrachtet werden.“ Der Mensch „gehorsam gegenüber dem Sittengesetz“ werde so „zum Gegenstand höchster Bewunderung, die gleichsam einen heiligen Schauer über die Größe und Erhabenheit seiner wahren Bestimmung fühlen“ lasse. Gerald Hüther ergänzt: „Der Mensch, sagt Immanuel Kant, hat aber die Pflicht, seine Würde, die ihn vor allen Geschöpfen auszeichnet, auch in seiner eigenen Person niemals zu beleidigen.“ Gerald Hüther zählt zu den bekanntesten Hirnforschern in Deutschland.

Über allen Preis erhaben ist die Würde

Unter der eigenen Würde: Das gilt nicht nur für andere, die einen schlecht behandeln. Das gilt auch für die eigene Person, wenn man nicht gut zu sich selbst ist. Immanuel Kant schreibt: „Wer sich zum Wurme macht, darf nicht darüber klagen, mit Füßen getreten zu werden.“ Immanuel Kant wollt die unbedingte Achtung einer Person vor allem durch die unbedingte Achtung eines Gesetzes regeln. Ihm war klar, dass überall dort, wo Waren und Leistungen angeboten werden, auch ideelle Werte verkauft werden können, wenn sie einen Preis haben.

Immanuel Kant schreibt: „Im Reiche der Zwecke hat alles entweder einen Preis, oder eine Würde. Was eine Preis hat, an dessen Stelle kann auch etwas anderes als Äquivalent gesetzt werden; was dagegen über allen Preis erhaben ist, mithin kein Äquivalent verstattet, ist die Würde.“ Und diese Würde sei ein innerer Wert, unerreichbar, schwer zugänglich, geschützt von den Zumutungen des Lebens. Unveränderlich und für immer und ewig, weder Zufälligkeiten ausgeliefert noch einer Gewalt.

Immanuel Kant entwickelt den kategorischen Imperativ

Die Würde ist eine Eigenschaft, dem Menschen eigen und mächtig, ein Gefühl, ein Zustand, mit Worten kaum zu beschreiben, außerhalb dessen, was man sich vorstellen kann, darf, soll. Etwas, das auch dann existiert, wenn man vielleicht selbst nicht mehr daran glaubt: die Würde. Immanuel Kant goss seine Vorstellungen in eine Formel, die als kategorischer Imperativ schulbuchpflichtig wurde: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“

Der Mensch also solle sich nicht zu fein sein, sein Handeln an der Reaktion zu bemessen, die es bei anderen auslöst. Sich in andere hineinversetzen, um zu fühlen, wie er selbst behandelt werden möchte. Behandeln ist allerdings kein schönes Wort. Also besser ausgedrückt: wie wohl er sich fühlen würde, wenn ein anderer ihm so begegne. „Was du nicht willst, dass man dir tut, da füg auch keinem anderen zu“ – diese Volksweisheit wurde schließlich zum Grundgesetz eines jeden Rechtssystems. 1798 schreibt Immanuel Kant: „Ein jeder Mensch hat rechtmäßigen Anspruch von seinem Nebenmenschen, und wechselseitig ist er dazu auch gegen jeden Anderen verbunden.“ Quelle: „Würde“ von Gerald Hüther

Von Hans Klumbies

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