Die vielen Gesichter der Eifersucht
Die dunkle Seite der Liebe, die Eifersucht, zeichnet sich durch folgende Symptome aus: erhöhter Blutdruck, beschleunigter Puls, Herzschmerzen, Angst, Magenbeschwerden und Schlafstörungen. Im schlimmsten Fall muss der betroffen das schwarze Tal einer Depression durchschreiten. Jeder Zweite gibt zu, eifersüchtig zu sein und damit der Partnerschaft Schaden zuzufügen. Eifersucht führt nicht nur zu Beziehungskrisen, Selbstwertproblemen oder Depressionen. In 90 Prozent der Morde, die durch Männer verübt werden, ist Eifersucht das Hauptmotiv. Bevor Frauen ihre Männer aus Eifersucht umbringen, begehen sie eher Selbstmord. Wenigstens im Tod wollen sie mit dem Geliebten in Frieden vereint sein.
Liebe und Eifersucht sind untrennbar miteinander verbunden
Der Eifersuchtsschmerz ist eine Melange aus Kränkung, dem Zweifel an dem eigenen Selbst, Rivalität und Besitzanspruch. Er aktiviert im Gehirn dieselben Schmerzzentren, die auch bei echtem körperlichem Schmerz, zum Beispiel bei einem Handbruch, aktiv sind. Liebe und Eifersucht sind im europäischen Kulturkreis untrennbar miteinander verbunden und verschont weder Junge noch Alte.
Diejenigen Menschen, die behaupten, gegen das Gefühl der Eifersucht immun zu sein, können entweder keine echten Liebesgefühle entwickeln oder sie verdrängen, wie Sigmund Freud sagen würde, aufsteigende eifersüchtige Impulse. Sie bilden sich ein, dass wenn das Gefühl, das die Seele und den Körper so schädigen kann, von vornherein geleugnet wird, erst gar nicht der gefürchtete Schmerz der Eifersucht entsteht.
Die Motive und Wurzeln der Eifersucht
Die Wurzeln der Eifersucht sind eifersüchtige Regungen in der frühen Kindheit gegenüber Vater, Mutter oder Geschwistern, mit denen Liebe geteilt werden muss. Die Angst vor der uneingeschränkten Liebe der Mutter verursacht bei Kindern in der Regel Neid und Eifersucht. Wenn es in der Kindheit nicht gelingt, diesen Konflikt der Rivalität zu lösen, bestimmt er auch im Erwachsenenalter intime Beziehungen. Die Betroffenen fordern von ihren Partnern: „Mich, nur mich, sollst Du lieben.“
Die Motive der Eifersucht sind bei Männern und Frauen unterschiedlicher Natur. Sie entwickelten sich im Laufe der Evolution und sind vermutlich mit den Interessen an der Erhaltung der Menschheit zu erklären. Die Frauen fürchten, ihren Nachwuchs allein aufziehen zu müssen, während die Männer Angst davor haben, für Kinder sorgen zu müssen, die möglicherweise gar nicht ihre eigenen sind.
Die Eifersucht hat nicht nur dunkle Seiten
Die Eifersucht hat viele Gesichter. Die Wurzel der konkurrierenden Eifersucht sind Verlustängste und Zweifel am eigenen Selbstwert. Projektive Eifersucht ist Abwehrmechanismus der Seele. Dabei werden Wünsche und Gefühle, die man an sich selbst ablehnt und abwehrt, zum Beispiel der Wunsch mit einem anderen Partner zu schlafen oder Neigungen zur Homosexualität auf den Partner übertragen, sprich projiziert.
Beim Eifersuchtswahn, der auch „Othello-Syndrom“ genannt wird, ist der Betroffene wahnhaft davon überzeugt, von seinem Geliebten betrogen zu werden, auch wenn die Vernunft und die Realität dagegen sprechen. Die Eifersucht hat aber nicht nur dunkle Seiten: sie kann wie jedes Schmerzgefühl auch ein Warnsignal und damit Schutz für Bestehendes bieten. Die Angst, einen geliebten Menschen zu verlieren, schärft den Blick und sensibilisiert für die Bedürfnisse des Partners und für das notwendige Gleichgewicht in einer harmonischen Beziehung.
Von Hans Klumbies
Dezember 22, 2009 | Geschrieben von hkl - Kategorie
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