Die Unsicherheit im Internet nimmt bedrohliche Ausmaße an

Die Affäre um Edward Snowden und zahlreiche Diebstähle von Daten bei Internet-Unternehmen haben das Vertrauen vieler Bundesbürger in die neuen Technologien nachhaltig zerstört. Über zwei Drittel der Deutschen trauen weder dem Staat noch der Wirtschaft beim Umgang mit ihren persönlichen Daten über den Weg. Viele Menschen verzichten deshalb sogar darauf, Dienstleistungen im Internet in Anspruch zu nehmen, so dass der Netzwirtschaft mittlerweile ein enormer finanzieller Schaden droht. Zudem häufen sich die Warnungen vor der Verlust der Kontrolle im Word Wide Web. Laut einer amerikanischen Studie sind 41 Prozent der Jugendlichen süchtig nach Chatten und Posten. Die meiste Angst haben die Webuser vor Schadprogrammen auf ihren Rechnern (61 Prozent) und vor einer Ausspähung durch Organisationen des Staates (49 Prozent), wie eine Studie belegt.

Nur noch 15 Prozent der Internetuser fühlen sich im Internet überhaupt nicht bedroht

An dritter Stelle steht die Furcht vor der Bedrohung durch Cyber-Kriminalität (46 Prozent). Nur noch 15 Prozent der Internetuser sagen, dass sie sich im Internet überhaupt nicht bedroht fühlen. Diese Zahlen veröffentlichte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (Bitkom) im Rahmen des „Safer Internet Day“. Justizminister Heiko Mass (SPD) präsentierte dabei gleichzeitig seine neuen Pläne. Danach sollen Verbraucherschutzorganisationen mehr Möglichkeiten bekommen, um gegen den Missbrauch von Kundendaten durch Unternehmen vorzugehen.

Das vier von fünf Internetnutzern ihre Daten im Netz für unsicher halten ist laut Bitkom-Präsident Dieter Kempf für die Netzwirtschaft ein alarmierendes Signal: „Das Vertrauen der Nutzer ist die Grundlage ihres Geschäftsmodells. Wir müssen Antworten finden auf die Frage, wie wir die Vorteile der modernen Datenverarbeitung nutzen und gleichzeitig die Privatsphäre der Menschen bestmöglich schützen können.“ Das wachsende Misstrauen der Internetuser hat noch weitere markante Folgen.

Nur 56 Prozent der Deutschen nutzen ein Virenschutzprogramm

Über 40 Prozent der Deutschen verschicken inzwischen wichtige Dokumente nicht mehr per E-Mail, mehr als 25 Prozent verzichten auf Online-Banking und rund 20 Prozent kaufen nicht mehr im Internet ein. Viele Menschen nutzen keine Cloud-Dienste, melden sich bei sozialen Netzwerken wie Facebook ab und buchen keine Reisen mehr über das Internet. Dieter Kempf betont allerdings, dass es falsch wäre, allein die NSA-Affäre dafür verantwortlich zu machen: „Es besteht bei vielen Menschen offenbar ein generelles Unbehagen, das durch die Abhöraktionen Bestätigung gefunden hat.“

Ein Großteil der Verunsicherung entsteht laut Dieter Kempf auch durch Unwissenheit. Bei der Ertüchtigung der Verbraucher zum Selbstschutz im Netz gibt es offenbar noch großen Handlungsbedarf. Nur 56 Prozent der Bundesbürger nutzen ein Virenschutzprogramm und 52 Prozent verzichten auf eine zusätzliche Firewall zur Abwehr von Schadsoftware und Virenattacken. Rund 13 Prozent setzen einen Anonymisierungsdienst wie Proxy oder Tor ein. Und Meta-Suchmaschinen werden von gerade einmal vier Prozent der Netzuser verwendet. Quelle: Welt Kompakt

Von Hans Klumbies

 

 

 

 

 

 

 

 

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