Die Stoiker wollen wunschlos glücklich sein

Ursprünglich bezeichnete die Stoa eine lang gestreckte, schmale Halle mit geschlossenen Rück- und Schmalseiten und einer offenen, durch Säulen unterbrochenen Vorderseite. Die Schule der Stoa erhielt von einer solchen Säulenhalle ihren Namen, da die ersten Vertreter in einem solchen Gebäude lehrten. Begründet wurde die Lehre von Zenon aus Kition auf Zypern (um 333-262 v. Chr.). Das stoische Gedankengebäude ist stark auf Fragen der Lebensführung ausgerichtet, enthält aber zugleich individualistische Elemente.

Die Stoiker gliedern die Philosophie in die Logik, die Physik und die Ethik

Nur Fragmente sind von den Texten der ersten Stoiker erhalten. Berühmt ist der „Zeushymnus“ von Kleanthes, der die göttliche Allvernunft lehrt, eine wichtige Grundüberzeugung der Schule. Dort heißt es unter anderem: „Höchster allmächtiger Gott, den viele Namen benennen, Zeus, du Herr der Natur, der das All du durch das Gesetz lenkst, sei mir gegrüßt. […] Ja, nichts gibt es auf Erden, was deiner Gottheit entzogen, nicht in dem Reiche des Äthers noch drunten in Fluten des Meeres.“

Um 150 vor Chr. verbreitete sich die Stoa in Rom. Die wichtigsten römische Vertreter waren Seneca (4 v. Chr. – 65 n. Chr.), Epiktet (50 – etwa 130 n. Chr.) sowie der Kaiser Marc Aurel (121 – 180 n. Chr.). Seneca schuf Moralschriften, Epiktet entwarf ein Handbuch der Ethik und Mark Aurel wandte sich seinen „Selbstbetrachtungen“ zu. Die Stoa gliederte die Philosophie erstmals in der Geschichte in die drei Kategorien Logik, Physik und Ethik. Zu Logik gehörten die Fächer Erkenntnistheorie, Grammatik und Rhetorik. Die Physik setzte sich aus den Bereichen Ontologie, Kosmologie, Psychologie und Theologie zusammen. Die Philosophie spiegelt damit die ganzheitliche Struktur des Kosmos wieder.

Selbstbeherrschung und Tugend sind die Schüsselbegriffe der Stoa

Für die Stoiker ist die Welt ein zusammenhängender lebender Organismus. Er wird vom Pneuma geformt und durchströmt, einer Mischung aus Feuer und Luft, gleichbedeutend mit der göttlichen Kraft. Die Stoiker stellten sich die Gottheit überall vorhanden und aktiv vor und prägten so den Begriff des „Pantheismus“. Der Stoiker Chrysippos (um 280 – 207 v. Chr.) beschreibt den Pantheismus so: „Der aus Feuer und Luft gewordene Hauch durchdringt alle Körper, indem er sich mit allem vermischt, und von ihm hängt für jeden von ihnen sein Sein ab.“

Das Leben vollzieht sich für die Anhänger der Stoa in einer ständigen Spannung zwischen dem Verlangen nach Harmonie und den Krisen und Konflikten, die das Leben der Menschen erschweren. Daher ist der Mensch auf Orientierung angewiesen. Leitbilder von der Gesellschaft und den einzelnen entwickelt, weisen den Weg durch das Leben.

Die echten Weisen waren für die Stoa auf der einen Seite Sokrates, der unbeirrt der Frage nach der Tugend nachforschte und auf der anderen Seite Diogenes, der ohne Wünsche und dennoch glücklich in seinem Fass lebte. Selbstbeherrschung und Tugend sind die Schlüsselbegriffe der stoischen Philosophie. Angestrebt wird eine Apathie, das völlige Freisein von Leidenschaften. Marc Aurel beschreibt in seinen „Selbstbetrachtungen“ das Glück und die Freiheit als Rückzug auf sich selbst.

Von Hans Klumbies

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Ursprünglich bezeichnete die Stoa eine lang gestreckte, schmale Halle mit geschlossenen Rück- und Schmalseiten und einer offenen, durch Säulen unterbrochenen Vorderseite. Die Schule der Stoa erhielt von einer solchen Säulenhalle ihren Namen, da die ersten Vertreter in einem solchen Gebäude lehrten. Begründet wurde die Lehre von Zenon aus Kition auf Zypern (um 333-262 v. Chr.). Das stoische Gedankengebäude ist stark auf Fragen der Lebensführung ausgerichtet, enthält aber zugleich individualistische Elemente.