Die Staatsverfassungen des Philosophen Platon

Im achten Buch seines Werks „Politeia“ zeigt der Philosoph Platon, auf welchem Wege sich gute in schlechte Verfassungsformen verwandeln können. Er beschreibt dort den Verfassungsverfall von der Aristokratie bis hin zur brutalen Diktatur einer Tyrannis. Als Grundlage seiner Schilderung der Entartung von Verfassungen wiederholt er ein Faktum, dass ihm sehr am Herzen zu liegen scheint. Zuerst geht es ihm darum, den ungerechtesten Menschen zu betrachten und diesen anschließend mit dem aller gerechtesten zu vergleichen. Es geht auch in diesem Kapitel eigentlich um das Wesen der Gerechtigkeit, das die ganzen zehn Bücher der „Politeia“ wie eine Klammer umschließt.

Eine Demokratie kann in eine Diktatur umschlagen

Der Weg des Niedergangs der Verfassungen führt für Platon von der Aristokratie über die Timokratie, welche die Herrschaft der Geldgierigen verkörpert. Diese geht wiederum über in die Oligarchie, die sich durch der Herrschaft von wenigen auszeichnet, gefolgt von der Demokratie, die durch die Zügellosigkeit der Armen entsteht.

Die Demokratie zeichnet sich durch die Freiheit des Einzelnen aus, doch laut Platon ist es gerade diese Freiheit, die sie auch gefährdet, denn sie kann dadurch nur allzu leicht in ihr Gegenteil die Tyrannis, in der offene Willkür herrscht, verkehrt werden. So kann aus einem Übermaß an Freiheit ein Übermaß an Sklaverei entstehen, aus einer Demokratie eine Diktatur, aus dem Höchstmaß an Freiheit die elendste Knechtschaft.

Die Hauptmerkmale der Verfassungsformen

Platons Lehre vom Verfall einer Verfassung endet also in der Diktatur eines Tyrannen, die aus einem Übermaß an Freiheit entstanden war, da Platon die Maßlosigkeit zur prägenden Eigenschaft der Demokratie zählt. Auch den anderen Verfassungsformen hat der griechische Philosoph Hauptmerkmale zugeordnet. Die Aristokratie verknüpft er mit der Ehre, der Timokratie ist das Geld eigen, in der Oligarchie herrscht die Macht und die Tyrannis ist von der Willkür geprägt.

Bei seinen Betrachtungen des Untergangs der verschiedenen Verfassungsformen hat Platon die Monarchie, die Alleinherrschaft, ausgelassen. In einem anderen Zusammenhang kommt er aber doch noch auf die Monarchie zu sprechen. Er will ihr Prinzip mit jenem der Demokratie mischen, um ein beständiges und gut funktionierendes Staatswesen zu konstruieren.

Die Wahrheit liegt in der Verknüpfung von Diesseits und Jenseits

Die beiden Prinzipien der Allein- und der Volksherrschaft sollen sich nach Platon gegenseitig kontrollieren und so die Entstehung einer totalen Machtausübung unmöglich machen. Das ist das große Ziel seiner Mischverfassung. Doch er ist auch davon überzeugt, dass sie eigentliche Wahrheit aller Politik erst im Jenseits Gestalt annehmen kann. Denn die Gerechtigkeit auf Erden ist für den Philosophen ausschließlich im Jenseits verankert.

Platon geht davon aus, dass es nicht reicht, die Dinge als existent zu betrachten, die der Mensch auf Erden mit seinen Sinnen erfassen kann. Die Wahrheit liegt seiner Meinung nach in der Verknüpfung von Diesseits und Jenseits, in der kurzen Zeit vor dem Tod und in der Ewigkeit nach dem Ableben. Der Tod ist der Mittler zwischen Diesseits und Jenseits.

Nach seinem Tod muss der Mensch vor die Schranken des überirdischen Gerichts treten und es folgen Lohn oder Strafe. Wer auf Erden Unrecht tat, ist vielfältigen Strafen ausgesetzt, während den Gerechten die wahre und ungetrübte Glückseligkeit erwartet. Sie kommt denjenigen Menschen zu, die auf der Erde ihren ihnen zukommenden Platz im Leben ausgefüllt und versucht haben, die Gebote Gottes so gut wie möglich zu erfüllen.

Von Hans Klumbies


Diese Artikel könnten Sie interessieren:


Paul Nolte beschreibt die scheinbaren Vorzüge der Diktatur


Selbst in Großbritannien und Amerika kamen in der Zwischenkriegszeit neue Zweifel an der Demokratie auf, doch diese Zweifel griffen im kontinentalen Europa viel weiter und grundsätzlicher um sich und mündeten häufiger, über Skepsis hinaus, in Gegnerschaft gegen die Demokratie oder jedenfalls Gleichgültigkeit gegenüber ihrer möglichen Zerstörung. Die Aussicht auf eine Diktatur erschien in den 1920er […]


Die Staatsverfassungen des Philosophen Platon


Im achten Buch seines Werks „Politeia“ zeigt der Philosoph Platon, auf welchem Wege sich gute in schlechte Verfassungsformen verwandeln können. Er beschreibt dort den Verfassungsverfall von der Aristokratie bis hin zur brutalen Diktatur einer Tyrannis. Als Grundlage seiner Schilderung der Entartung von Verfassungen wiederholt er ein Faktum, dass ihm sehr am Herzen zu liegen scheint. Zuerst geht es ihm darum, den ungerechtesten Menschen zu betrachten und diesen anschließend mit dem aller gerechtesten zu vergleichen. Es geht auch in diesem Kapitel eigentlich um das Wesen der Gerechtigkeit, das die ganzen zehn Bücher der „Politeia“ wie eine Klammer umschließt.


Die sechs Staatsverfassungen des Aristoteles


Für Aristoteles gibt es drei Arten der Polisverfassung und eine gleiche Anzahl von Abarten. Die Grundformen sind das Königtum, die Aristokratie und an dritter Stelle, die auf der Einstufung nach dem Vermögen beruhende Politie, auch Timokratie genannt. Von den drei Verfassungen ist die beste das Königtum, die schlechteste die Politie. Die Abart des Königtums ist die Tyrannis. Obwohl beide die Herrschaft eines einzigen bedeuten, ist ihr Unterschied doch außerordentlich groß: der Tyrann schaut nur auf seinen eigenen Vorteil, der König aber auf das Wohl der Untertanen, denn König ist nur, wer nach allen Seiten hin unabhängig und an allen Gütern überlegen ist. In einer solchen Stellung hat er nichts weiter vonnöten, das heißt, er wird nicht auf persönlichen Vorteil bedacht sein, dagegen auf das Wohl derer, die unter seiner Herrschaft leben.




Hinterlassen Sie eine Nachricht