Die sieben Regeln des Calvinismus

Der Calvinismus geht von der völligen Verderbtheit des Menschen aus, denn die Sünde beherrscht den Menschen in seinem Denken, seinen Gefühlen und seinem Willen. Deshalb ist der Mensch nicht in der Lage, die Botschaft des Evangeliums zu verstehen und zu verinnerlichen. Er ist auf der geistigen Ebene völlig hilflos und verloren. Die Rettung kann ihm nur der Heilige Geist bringen – nur er kann den Menschen dazu befähigen, den rechten Glauben anzunehmen. Die zweite Regel des Calvinismus ist die Lehre von der bedingungslosen Erwählung. Hinter diesem Grundsatz verbirgt sich die Vorstellung von der Vorherbestimmung des Schicksals.

Nur auserwählte Sünder werden von Jesus Christus gerettet

Schon vor ihrer Geburt sind die Menschen von Gott auserwählt fürs Himmelreich oder verdammt, zur Unwissenheit über Gott und das Evangelium verurteilt, in der Hölle zu schmoren. Die Wahl zwischen Erwählten und Verdammten ist schon vor der Entstehung des Universums getroffen worden. Die Menschen können die Wahl weder durch Gebete noch durch eine moralisch vorbildliche Lebensführung rückgängig machen.

Der dritte Grundsatz des Calvinismus handelt von der begrenzten Versöhnung. Jesus Christus trägt die Sünden der Welt. Die Protestanten glauben beispielsweise, dass Gottes Sohn für alle Menschen gestorben ist. Johannes Calvin lehnte diese Sichtweise ab. Jesus Christus ist seiner Meinung nach nicht gestorben, um alle Menschen zu retten. Sein Leiden erlöst nur die auserwählten Sünder, die durch ihn gerettet sind.

Im Calvinismus ist Armut ist eine Strafe Gottes

Im vierten Gebot geht es um die Lehre der unwiderstehlichen Gnade. Niemand kann die Gnade der Erwählung ablehnen. Der Mensch hat in dieser Hinsicht keinen freien Willen. Jeder Mensch, den Gott erwählt hat, wird Gott erkennen. Die Auserwählten können dem Ruf Gottes nicht widerstehen. Die fünfte Lehre beschreibt die Beharrlichkeit der Heiligen. Wenn ein Mensch einmal gerettet worden ist er für immer gerettet.

Der durch Erwählung hervorgehobene Mensch kann sich noch so bemühen – Gottes Gnade kann er nicht mehr verlieren. Er hat schlicht keinen Einfluss mehr auf sein Schicksal. Sein Leben ist vorbestimmt. Regel sechs besagt, dass Armut eine Strafe Gottes ist. Sie ist ein offensichtliches Zeichen für die Sündhaftigkeit des Armen. Es liegt in der individuellen Verantwortlichkeit des einzelnen Menschen, sich aus der Armut zu befreien. Betteln ist allerdings im Calvinismus verboten.

Reichtum ist im Calvinismus auf keinen Fall eine Schande

Das siebte Gebot spricht davon, dass Reichtum auf keinen Fall eine Schande ist. Wenn durch Fleiß und ohne Verhalten, das zu tadeln wäre, ein Vermögen erworben wurde, ist nichts daran auszusetzen. Vorausgesetzt, die Reichen teilen ihre Schätze mit den weniger Vermögenden, zahlen gerechte Löhne und führen einen asketischen Lebenswandel.

Im achten Gebot erlaubt der Calvinismus den Zins. Er darf allerdings nur von vermögenden Menschen verlangt werden und nur wenn das Allgemeingut nicht darunter leidet. Der Zins muss angemessen sein: Fünf Prozent erschienen Johannes Calvin als angemessen.

Von Hans Klumbies

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