Die Philosophenschule der Kyniker

Der Ahnherr der Kyniker war Antisthenes, ein Schüler des Sokrates, der lange ein konventionelles Leben führte, bei dem er in einen aristokratischen Philosophenkreis eingebunden war. Nach dem Tod des Sokrates und dem Machtverlust Athens entschloss er sich ein einfacheres Leben zu beginnen. Er kleidete sich wie ein Armer und lebte unter ihnen und verkündete, dass es keine Regierung, kein Privateigentum, keine Ehe und keine Staatsreligion mehr geben darf. Antisthenes war der Ansicht, dass der Mensch immer abhängiger und somit unfreier wird, wenn er eine Kultur entwickelt und damit seine Empfindungen und Bedürfnisse immer mehr erweitert und verfeinert.

Diogenes war der berühmteste Kyniker

Denn die Freiheit war für ihn gleichbedeutend mit der Unabhängigkeit von allen Äußerlichkeiten. Antisthenes erhob die Bedürfnislosigkeit zum höchsten Gut. Er und seine Nachfolger wandten diese Theorie konsequent in der Praxis an. Die Kyniker kritisierten geistreich und geschickt die Lebensweise ihrer Mitbürger und wendeten sich als Aussteiger auch gegen Werte wie Familien- und Staatszugehörigkeit oder Klassenschranken innerhalb der Gesellschaft. Die individualistische, negativ gefasste Freiheit der Kyniker wurde von den Stoikern weiterentwickelt.

Der berühmteste der Kyniker war zweifellos Diogenes (404 – 323 v.Chr.), der öffentlich sämtliche gesellschaftlichen Konventionen verhöhnte und seine Mitmenschen damit schockierte, dass er kein Bad nahm und sich wenn überhaupt in Lumpen kleidete. Er lebte wie ein Hund in einer Graburne, weshalb ihm die Leute den Spottnamen „kynikos“ gaben, was „wie ein Hund bedeutet“. Er selbst sagte dazu, dass er ein Hund genannt werde, weil er um jene herumschwänzle, die ihm etwas geben, jene anbelle, die ihm Gaben verweigern und Halunken beiße.

Alexander der Große besucht Diogenes

Diogenes war davon überzeugt, dass es einzig auf den Unterschied zwischen den wahren und den falschen Werten ankommt. Alle anderen Unterscheidungen sind unsinnige gesellschaftliche Konventionen. Unterscheidungen wie zwischen öffentlich und privat, nackt und bekleidet oder roh und gekocht sind Unsinn. Auch unterscheidet sich laut Diogenes der Fremde nicht von einem Griechen. Der Philosoph verstand sich als Weltbürger und prägte den Begriff des Kosmopoliten.

Die bekannteste Geschichte über Diogenes ist ohne Zweifel jene, als er in seinem unwürdigen Unterschlupf Besuch von Alexander dem Große bekommt. Als dieser ihn, vor ihm stehend, fragt, was er als Beherrscher der Welt für ihn tun kann, antwortet Diogenes, er solle aus der Sonne gehen. Besser kann man seine Verachtung für die weltlichen Werte nicht ausdrücken. Eine andere Anekdote aus dem Leben Diogenes beschreibt seine Reaktion, als er ein Kind sieht, das Wasser aus den Händen trinkt. Daraufhin holt er seinen Trinkbecher hervor und wirft ihn weg, da das Kind sein Meister in der Genügsamkeit geworden war.

Von Hans Klumbies

Ein Gedanke zu „Die Philosophenschule der Kyniker

  • 19. September 2011 um 13:50
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    DIOGENES von Sinope war vor 2,4T J. ein totaler DURCHSCHAUER / ERKENNER / ERWACHTER in der KULTUR-SKLAVEREI … aber ein sog. ERLEUCHTETER war er leider nicht!
    Er hatte die SEHN-S U C H T zu helfen, die HELFER-SUCHT … wie BUDDHA, JESUS, MOHAMMED, MARX, STALIN, HITLER & Co. !

    MERKE:

    Der ERLEUCHTETE hat keine SEHN- S Ü C H T E mehr!

    Wer erleuchtet ist, hat es nicht nötig zu belehren.

    Wer erleuchtet ist, braucht nicht die Öffentlichkeit um sich zu profilieren.

    Wer erleuchtet ist weiß, daß er niemandem helfen kann/muß.

    Der Erleuchtete ruht in sich in g e s u n d e r Trauer über

    die u n s t i l l b a r e n SEHN- S Ü C H T E der Un-Erleuchteten (=KULTUR-SKLAVEN!)

    … nach dem VERLORENEN PARADIES!

    DIOGENES ist trotzdem mein VOR- BILD im DENKEN, denn es gibt keinen sog. „AUSWEG“ aus seit ca. 10 T. J. „Herr“-schender KULTUR- SKLAVEREI!
    JONNY

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