Die Neurosenlehre Viktor Frankls

Viktor Frankls Neurosenlehre baut darauf auf, dass es zu seelischen Verstimmungen und Fehlentwicklungen kommt, wenn sich der Geist des Menschen auf der Suche nach einem Sinn verirrt. In der Folge kann es zu psychosomatischen oder somatischen Krankheiten kommen. Laut Viktor Frankl entsteht eine Neurose, wenn seelische Bereiche des Menschen verkümmert bleiben. Die Heilung der neurotischen Irritation kann nur durch das Erlebnis einer Wandlung im Rahmen einer menschlichen Begegnung geheilt werden. Bei der Untersuchung der Angstneurose findet Viktor Frankl heraus, dass die Patienten nicht nur Angst, sondern auch Angst vor der Angst selbst haben.

Der Angstneurotiker fürchtet sich vor der ganzen Welt

Angstneurotiker finden keinen Ausweg aus diesem Teufelskreis. Diese Menschen müssen lernen, dass sie nicht wegen jeder Ursache ängstlich sind, die ihnen gerade im Kopf herumgeht. Der phobische Mensch hat vor der ganzen Welt Angst und nimmt seine Möglichkeiten in ihr nicht wahr.

Er ist ein Opfer der Angst, die durch ein mangelndes Interesse an den Mitmenschen und den Lebensaufgaben entsteht. Rückt er allerdings seine Umwelt und andere Personen ins Zentrum seines Interesses, lösen sich die neurotischen Begleitphänomene in Nichts auf. Bei der Untersuchung von Zwangsneurotikern hat Viktor Frankl festgestellt, dass diese Patienten Ungewissheit sehr schlecht vertragen und alles hundertprozentig genau, wissen, tun oder können möchten.

Der Zwangsneurotiker strebt nach absoluter Sicherheit

Schon die kleinsten Handlungen und Entscheidungen im Alltag entwickeln sich für solche Menschen zu einem Riesenproblem. Durch seinen Willen zur Sicherheit wird das Leben des Zwangsneurotikers sehr kompliziert. Der normale Mensch gibt sich mit Beiläufigem und Unvollendetem zufrieden, während eine zwanghafte Person das Endgültige und Absolute anstrebt.

Viktor Frankl ist der Ansicht, dass es nicht genügt, bei solchen Patienten nur ihre Verhaltensweisen und Gefühle zu verändern, sondern man muss auch ihre Welt und ihr Menschenbild korrigieren, wenn die Therapie erfolgreich sein will. Normalerweise ist eine gewisse Diskrepanz zwischen Sein und Sollen für das menschliche Dasein typisch.

Schwere Depressionen führen nicht selten zum Selbstmord

Im Falle einer Melancholie oder Depression verwandelt sie sich allerdings in einen Abgrund. Die Menschen sind dann verzweifelt, weil sie keine Möglichkeit sehen, ihre Aufgaben zu erfüllen und ihren Werten gerecht zu werden. Außerdem setzen sie keine Hoffnung mehr auf die Zukunft. Sie verurteilen sich selbst, wobei sie sich allerdings ungeduldig gegen die eigene Schwachheit auflehnen.

Parallel dazu treten aggressive Empfindungen auf, welche die Lage noch verschlimmern. Lernen solche Patienten das Warten können, schwächt sich das seelische Tief ab und der Lebensmut und die Zuversicht kehren zurück. Wer seinem Arzt vertraut, kann melancholische oder depressive Krisen leichter überwinden, die in schweren Fällen nicht selten zum Selbstmord führen.

Von Hans Klumbies

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