Die Liebe gehört zu den Primärtrieben des Menschen

Der Primatenforscher Harry Harlow weigerte sich Begriffe wie „Nähe“ zu benutzen, wenn er „Liebe“ meinte. Er beschrieb die Liebe als wunderbaren Zustand, tief, zärtlich und lohnenswert. Er war der Meinung, dass die Psychologen darin versagt hätten, Liebe und Zuneigung wissenschaftlich zu analysieren. Der Behaviorismus behauptet, menschliche Wesen werden durch ihre primären Triebe wie Hunger, Durst, Auslöschung, Schmerz und Sex motiviert. Andere Motive wie Liebe und Zuneigung gelten als zweitrangig. Harry Harlows Buch “The Nature of Love” katapultierte diese Theorie auf den Friedhof der Wissenschaften.

Die Liebe der Mutter sichert das Überleben

Harry Harlow arbeitete bei seinen Experimenten mit jungen Rhesusaffen, weil sie reifer sind als menschliche Säuglinge, aber sich in den Verhaltensweisen nur wenig von ihnen unterscheiden. Harry Harlow bemerkte, dass die neu geborenen Affen, wenn sie keinen Kontakt zur Mutter erhielten, sich stark auf Stoffstücke fixierten. Wurden diese aus dem Käfig entfernt, bekamen sie Wutanfälle. In ungepolsterten Käfigen überlebten die Affen nicht länger als fünf Tage.

Der Primatenforscher fragte sich, ob Babys ihre Mütter vielleicht nicht nur wegen ihrer Muttermilch lieben, sonder auch wegen der Wärme und Zuneigung. Liebe konnte also ebenso sehr ein Gründbedürfnis wie Nahrung und Wasser sein. Weitere Forschungen von Harry Harlow widerlegen die Annahme, Babys seien zur Mutterliebe konditioniert, weil die Mutter ihnen Milch gibt und damit ihr Überleben sichert. Die Ernährung war für die Affen nur zweitrangig. Erstrangig war für sie der Körperkontakt, die Liebe der Mutter.

Harry Harlow: “Liebe ist blind”

In anderen Experimenten mit seinen kleinen Rhesusaffen wies er nach, dass die enge Bindung, die zu den Müttern aufgebaut wird, an erster Stelle steht, ganz gleich, wie sie aussehen mögen und wie gleichgültig sie das Baby behandeln. Die Qualität der Bemutterung erwies sich als unerheblich, entscheidend war die bloße Existenz einer Mutterfigur, um gesund und glücklich aufzuwachsen. Harry Harlow folgerte daraus: „Liebe ist blind.“

Doch später stellte sich heraus, dass die kleinen Äffchen, die mit Ersatzmüttern aus Stoff aufgewachsen waren, soziale Verhaltensauffälligkeiten zeigten, da sie von ihnen kein normales Verhalten gelernt hatten und von anderen Affen isoliert gewesen waren. Angemessenes Verhalten in der Gruppe war ihnen fremd.

Dennoch hat Harry Harlows Forschung viel bewirkt. So gehen zum Beispiel die Empfehlungen an junge Mütter, möglichst häufigen Hautkontakt mit ihren Babys zu pflegen, auf seine Entdeckungen zurück. Aber die Erkenntnisse wurden teuer bezahlt, da die Experimente mit den Affen, je älter der Forscher wurde, sich umso grausamer ausnahmen. Nicht zu Unrecht wurde er von Tierschutzorganisationen heftig angegriffen.

Kurzbiographie: Harry Harlow

Harry Harlow wurde 1905 in Iowa geboren. Er studierte an der Stanford University und erhielt bereits mit 25 Jahren einen Lehrauftrag an der University of Wisconsin, wo er bis 1974 lehrte. 1972 bekam er von der American Psychological Association eine Goldmedaille verliehen. Ab 1974 arbeitet er als Honorarprofessor an der University of Arizona. Harry Harlow starb 1981.

Von Hans Klumbies

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