Die Kooperation ist die Triebfeder der Evolution

Der österreichische Biomathematiker Martin Nowak von der Harvard University hat zusammen mit dem Wissenschaftsjournalisten Roger Highfield in dem Buch „Supercooperators“ dargelegt, dass Zusammenarbeit in der Natur allgegenwärtig ist, nicht nur bei den Menschen, sondern auch bei den Tieren, den Pflanzen, den Mikroben und sogar bei den Urmolekülen des Lebens. Martin Nowak schreibt: „Kooperation ist die Triebfeder der Evolution – ohne sie wäre die Erde nie über eine Ursuppe voller RNA-Moleküle hinausgekommen.“ Diese Botschaft ist schon seit langem in der Philosophie, der Religion und der Dichtkunst bekannt. Sie heißt: sei edel, hilfreich und gut.

Das klassische Prinzip der Gegenseitigkeit

Die Neukonzeption von Martin Nowak besagt, dass der homo sapiens mit dieser Verhaltensweise nicht alleine dasteht. Seiner Meinung nach ist die Kooperation kein Kuriosum, sondern eine grundlegende Eigenschaft aller Evolution. Martin Nowak beschreibt in seinem Buch „Supercooperators“ mehrere Strategien, wie Menschen mehr Kooperation erlangen können. Das klassische Prinzip ist für ihn das der Gegenseitigkeit oder der direkten Reprozität: „Wie du mir, so ich dir.“ Hilft eine Person seinem Freud zum Beispiel einen Baum zu pflanzen, wird dieser im das nächste Mal beim Hausanstrich behilflich sein.

In größeren Gruppen gibt es laut Martin Nowak allerdings ein Problem. Da man viele Personen nicht wieder trifft, stellt sich die Frage, warum man anderen helfen sollte. Weil die Hilfe Zugang zu einer wertvollen Ressource schafft: die Reputation. Wer anderen hilfreich zur Seite steht, erwirbt sich einen guten Ruf und erhöht damit seine Chance, dass in Zukunft auch andere mit ihm zusammenarbeiten. Wer dagegen als Egoist verschrien ist, kann durch sein Verhalten leicht Sanktionen heraufbeschwören.

Der Mechanismus der Gruppenselektion

Gemäß Martin Nowak sind Großzügigkeit, Nachsichtigkeit und Freundlichkeit langfristig die beste Strategie, um von Kooperation zu profitieren. Nächstenliebe verdient demnach nicht nur Lob, sondern ist auch von rationalem Verhalten geprägt. Besonders ausgeprägt ist dies beim Menschen. Nur er hat ein leistungsfähiges System entwickelt, sich eine Reputation zu erschaffen – die Sprache. Mit ihr kann sich die Botschaft, von einem Menschen, der besonders hilfsbereit ist, schnell verbreiten.

Ein weiterer Beschleuniger der Kooperation ist laut Martin Nowak die räumliche Nähe. Es zahlt sich für die Menschen aus, sich gut mit seinen direkten Nachbarn zu verstehen. Wenn man in einem kooperativen Umfeld lebt, steigen die individuellen Chancen, da eine solche Gruppe sich im Wettbewerb mit anderen eher durchsetzt.

Martin Nowak beschreibt noch einen weiteren Mechanismus: die Gruppenselektion. Menschen können demnach auch in Gruppen kooperativ zusammenarbeiten, die weder durch Nähe, noch Verwandtschaft geprägt sind. Hier wiegen die Vorteile von Kooperation und Reputation die Nachteile kaum auf. Das Ziel ist dann, den Erfolg einer Gruppe sicher zu stellen, von dem sich die Mitglieder Vorteile in der Zukunft versprechen.

Von Hans Klumbies

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