Die individuelle Freiheit ist das höchste Gut der menschlichen Existenz

Viele Menschen in den reichen Staaten des Westens sind so frei wie nie zuvor in der Geschichte der Menschheit. Und doch fühlen sie sich oft gefangen, erdrückt von Anforderungen, getrieben durch inneren Leistungszwang. Das neue Philosophie Magazin 05/2018 versucht in seinem Titelthema die Frage zu beantworten, warum diese Menschen nicht mehr aus ihrer Freiheit machen. „Mach die Ding!“, „Lebe deinen Traum!“ – das sind die Imperative der Gegenwart. Aber wie das so ist mit großen Sehnsüchten verweisen sie umso deutlicher auf einen Mangel. Zeitnot, Stress, Beschleunigung, Angst vor der Zukunft, Burn-out. Von einem geglückten Leben scheinen die meisten Menschen nach wie vor weit entfernt. Eine Ausrede, die auf die widrigen Verhältnisse verweist, würde ein Denker wie Jean-Paul Sartre niemals gelten lassen. Denn seiner Meinung nach ist der Mensch dazu verurteilt, seine Existenz selbst zu entwerfen und sich in jeder konkreten Situation für die Freiheit zu entscheiden.

Durch Wahnideen verderben sich die Menschen ihr Glück

Wer sich unfrei fühlt, zu wenig Zeit hat und gerne aus seinem Leben ausbrechen würde, aber sich nicht dazu in der Lage sieht, ist laut der Autorin Ayn Rand (1905 – 1982) selbst daran schuld. Ihre wichtigste Regel, um frei zu werden: Stehe dir näher als jedem anderen und handle so egoistisch wie möglich: „Es gibt im Leben nur zwei Sünden: Die eine ist, zu wünschen ohne zu handeln, die andere ist, zu handeln ohne Ziel.“ Die individuelle Freiheit ist für Ayn Rand das höchste Gut der menschlichen Existenz.

Der österreichische Philosophieprofessor Robert Pfaller warnt davor, seine Freiheit nicht darin zu suchen, zwanghaft seine Träume zu leben. Man muss vielmehr den Träumen ihr Recht zugestehen, Träume zu bleiben. Denn würde man sich dazu entschließen, das zu tun, wovon man träumt, müsste man wohl bald wieder einen neuen Traum entwickeln. Man darf nicht in die Falle tappen zu meinen, das geträumte Leben wäre das wahre und das gelebte nur eine entfremdete Version davon. Epikur formuliert dies wie folgt: „Durch Wahnideen verderben sich die Menschen ihr Glück.“

Weltweit verschärft sich die Abschottungspolitik

Wendy Brown, eine der einflussreichsten Intellektuellen der USA spricht in der Rubrik Analyse über die letzten Zuckungen nationaler Souveränität und die menschliche Sehnsucht nach Einhegung. Weinende Kinder an der amerikanisch-mexikanischen Grenze und das Pochen der CSU auf das Recht auf Zurückweisung sind nur die jüngsten Beispiele einer sich weltweit verschärfenden Abschottungspolitik. Mauern liefern für die Politikwissenschaftlerin Wendy Brown das, was Martin Heidegger ein „beruhigendes Weltbild“ nannte. Und sie verhindern weder Migration noch Terror oder Drogenschmuggel. Oft verstärken sie all das sogar.

Der Medientheoretiker Bernhard Pörksen und die Philosophin Marie-Luise Frick diskutieren im neuen Philosophie Magazin über Hasskommentare, Tabubrüche und politischen Extremismus. „Die große Gereiztheit“ heißt das jüngste Buch von Bernhard Pörksen, der Aussagen von „Idioten“ klar vom Diskurs ausschließen will. Dagegen behauptet Marie-Luise Frick in ihrer Abhandlung „Zivilisiert streiten“: „Nur wenn wir den Raum des Streitbaren nicht vorschnell beschränken, bleibt die Demokratie lebendig.“

Von Hans Klumbies

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