Die Deutschen müssen mehr Geld ausgeben

Jürgen Kromphardt, ehemaliger Professor für Volkswirtschaftslehre an der TU Berlin, ist der Ansicht, dass die Deutschen zu wenig Geld ausgeben. Seiner Meinung nach hat in Deutschland nur der Staat über seine Verhältnisse gelebt, indem er ständig mehr Geld ausgegeben als er an Steuern eingenommen hat. Aus konjunkturpolitischen Gründen war das manchmal nicht einmal verkehrt. Auch andere Staaten haben zu hohe Schulden gemacht. Zwar ist in der Weltwirtschaftskrise die Nachfrage nach deutschen Produkten zurückgegangen, doch nach wie vor kaufen andere Länder mehr Waren in Deutschland, als sie nach Deutschland exportieren. Dadurch verschulden sie sich beim deutschen Staat.

Die Sparquote in Deutschland ist zu hoch

Wenn man den staatlichen und den privaten Sektor zusammenfasst, hat Deutschland laut Jürgen Kromphardt unter seinen Verhältnissen gelebt. Es hat weniger Waren konsumiert als produziert. Die Leistungsbilanz des deutschen Staates fällt deshalb in der Regel positiv aus. Deutschland hat auch unter seinen Möglichkeiten gewirtschaftet. Die Produktionskapazitäten der Industrie sind bei weitem nicht ausgelastet und noch immer sind viele Menschen hierzulande arbeitslos. Die privaten Haushalte und Firmen haben wesentlich mehr hergestellt und verkauft als sie konsumiert haben.

Jürgen Kromphardt stellt fest, dass die deutschen Bürger weniger ausgegeben als eingenommen und daher viel Geld gespart haben. Die Waren, die in Deutschland produziert wurden, konnten nur verkauft werden, weil sich Deutschland und andere Staaten überproportional hoch verschuldet haben. Schuld an den hohen Überschüssen sind die privaten Haushalte, die sehr viel Geld auf die hohe Kante legen und wenig konsumieren. Viele Menschen in Deutschland haben auch einfach zu wenig Geld, um es sorglos ausgeben zu können. Sie arbeiten im Niedriglohnsektor, der in Deutschland immer mehr um sich greift. Tariflöhne sind dort nicht die Regel, sondern die Ausnahme.

Mindestlöhne müssen in Deutschland flächendecken eingeführt werden

Ein Sparpaket des Staates ist für Jürgen Kromphardt nur dann erfolgreich, wenn es zur Konsolidierung des Staatshaushalts führt und das Steueraufkommen kaum negativ beeinflusst. Der Volkswirtschaftler plädiert für ein Paket, das mehr umfasst als nur das Sparen des Staates. Auf keinen Fall darf es die Konsumnachfrage der privaten Haushalte dämpfen und vor allem die sozial Schwachen schonen. Am besten wäre es für den deutschen Staat, wenn Steuervergünstigungen für Besserverdienende und Reiche eingeschränkt würden.

Jürgen Kromphardt ist ein Verfechter der flächendeckenden Einführung von Mindestlöhnen. Außerdem sollte die Wirtschaftspolitik dafür sorgen, dass die Nominallöhne in Deutschland endlich wieder einmal steigen. Dadurch würde sich die Kaufkraft der Arbeitnehmer deutlich steigern. Auf der anderen Seite käme es zu einer Verringerung der Wettbewerbsvorteile Deutschland in der Europäischen Union. Höhere Einkommen der Arbeitnehmer bedingen automatische höhere Steuereinnahmen des Staates, wodurch die öffentlichen Haushalte konsolidiert werden könnten.

Von Hans Klumbies

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