Fremde haben der deutschen Kultur entscheidende Impulse gegeben

In dem prächtigen Bildband „Deutschland“ begeben sich die der Fotograf Berthold Steinhilber und die Journalistin Sabine Böhne auf eine Reise durch die Zeit, um die deutsche Geschichte anhand von Bildern und Texten lebendig werden zu lassen. Diese führt zu Orten und zu Landschaften, an denen die Vergangenheit bis heute sichtbar ist. Dies gilt sowohl für die Höhlen aus der Eiszeit auf der Schwäbischen Alb, als auch für das mittelalterliche Kloster der Hildegard von Bingen auf dem Disibodenberg oder die neuzeitliche Glashütte des Optikers Joseph von Fraunhofer in Benediktbeuern. Der Zeiler Hexenturm bei Bamberg war ein Schauplatz des Schreckens, während das Rathaus des Westfälischen Friedens in Münster als Ort der Hoffnung im Vermächtnis der Deutschen weiterlebt. Berthold Steinhilber fotografiert unter anderem für die Magazine GEO, Stern und National Geographic. Sabine Böhne ist Journalistin und Professorin für Print-Journalismus an der Hochschule Ansbach.

In Deutschland hat sich große Weltgeschichte abgespielt

Zu den Bildern und Geschichten, die Geschichte erzählen gehören ebenso der trockengelegte Oderbruch als Symbol für den preußischen Sieg über die Natur wie der Schutz der Wildnis im ersten Nationalpark Bayerischer Wald. Wie ein roter Faden ziehen sich fremde Einflüsse durch den Verlauf der Zeiten. Egal, ob römische Straßenbauer in Niedergermanien, holländische Deichbauer in Nordfriesland oder französische Hugenotten in Brandenburg: Immer wieder waren es auch Fremde, die der deutschen Kultur entscheidende Impulse gegeben haben.

Der grandiose Bildband „Deutschland“ erzählt von den Einflüssen der Kelten und Römer, von der Kultivierung der Landschaft, bahnbrechenden wissenschaftlichen Entdeckungen und von finsteren Zeiten wie der Hexenverfolgung oder den Geschehnissen im Konzentrationslager Buchenwald. Berthold Steinhilber und Sabine Böhne haben sich auf eine spannende visuelle Zeitreise begeben, die große Weltgeschichte, so wie sie sich in Deutschland abgespielt hat, sichtbar macht. Auf diese Weise wird auch deutlich, was das Wesen der Deutschen im Laufe der Jahrhunderte geprägt hat.

Die „Venus vom Hohle Fels“ zählt zu den ältesten Kunstwerken der Menschheit

Die Reise durch die Zeit beginnt vor rund 40.000 Jahren in den Eiszeithöhlen auf der Schwäbischen Alb. Im Ach- und Lonetal fanden Archäologen in insgesamt sechs Karsthöhlen filigran gearbeitete Figuren. Dazu gehören die berühmte „Venus vom Hohle Fels“ aus Mammut-Elfenbein und Flöten aus Vogelknochen. Die Fundstücke sind die ältesten bekannten Kunstwerke der Menschheit. Über 2.000 Jahre alt ist die Römerbrücke, die sich als älteste Flussquerung Deutschlands auf neun Pfeilern über die Mosel in Trier spannt.

Deutschland wird noch immer voller Hochachtung als Land der „Dichter und Denker“ bezeichnet. Zu den großartigsten Denkern gehörte zweifellos der Astronom und Mathematiker Johannes Kepler, der die Gesetzmäßigkeiten entdeckten, nach denen sich die Planeten um die Sonne bewegen. Mit einem Denkmal ehrt Weil der Stadt im Landkreis Böblingen seinen berühmtesten Sohn. Zu den Klassikern der deutschen Literatur zählen Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Oft tauschten sie bis tief in die Nacht ihre Ideen für die Gestaltung neuer Werke aus. In diesem Bildband geht es vor allem darum, lebendige Geschichten zu erzählen, um die Geschichte besser zu verstehen. Das ist Berthold Steinhilber und Sabine Böhne vorzüglich gelungen.

Deutschland
Eine Reise durch die Zeit
Berthold Steinhilber / Sabine Böhne
Verlag: Frederking & Thaler
Gebundene Ausgabe: 240 Seiten, Auflage: 2018
ISBN: 978-3-95416-187-4, 49,99 Euro

Von Hans Klumbies

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