
Juli 18, 2010 | Geschrieben von admin-w57 - Kategorie
Wirtschaft
Raghuram Rajan hat sich eine kaum zu lösende Aufgabe vorgenommen: Er will den Kapitalismus vor den Kapitalisten retten. Und dennoch, wenn das einer schaffen könnte, dann er. Denn die Finanzkrise hat der Wirtschaftswissenschaftler so gut verstanden wie kaum ein anderer. Der Ökonom kümmert sich nicht um den Streit zwischen Keynesianismus und Neoklassik oder Monetarismus. Er hat eine eigenständige Theorie der Finanzkrise entwickelt. Zu den Faktoren, die zur weltweiten Wirtschaftskrise führten, zählt er gleichermaßen die Untaten der gierigen Manager, das Versagen der unfähigen Politiker und die Armut auf der Welt.
Raghuram Rajan kennt die tieferen Gründe für die Weltwirtschaftskrise
An und für sich hat Raghuram Rajan am Kapitalismus nichts auszusetzen. Man muss ihn nur vor den Kapitalisten schützen. So ist auch der Titel seines Buchs, das er zusammen mit seinem Kollegen Luigi Zingales veröffentlicht hat: „Saving Capitalism from the Capitalists“. Raghuram Rajan benennt die tieferen Ursachen für die Finanzkrise. Allein mit der Gier der Manager und Spekulanten lässt sich seiner Meinung nach der Beinahekollaps der Finanzmärkte nicht erklären.
Wer erkennen möchte, warum es zu einer weltweiten Wirtschaftkrise gekommen ist, muss andere Fragen stellen. Zum Beispiel: Warum haben in den Vereinigten Staaten von Amerika so viele Menschen Kredite bekommen, obwohl sie sich diese eigentlich nicht leisten konnten? Verantwortlich dafür war die amerikanische Politik. Die Präsidenten George Bush sen. und Bill Clinton hatten sich das Ziel gesetzt möglichst vielen Menschen ein eigenes Haus zu besorgen. Auch gerade den Armen, die dann ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen konnten. Für Raghuram Rajan gehören Populismus und Kredite deshalb fest zusammen.
Der Kapitalismus kann seine Krisen selbst meistern
Um Weltwirtschaftskrisen in der Zukunft zu verhindern, will der populäre Ökonom nicht mehr ausschließlich dem Staat die Verantwortung überlassen und sagt: „Ironischerweise ist eine strenge Regulierung am stärksten, wenn der Wirtschaftszyklus am Boden ist und der Markt kaum reguliert werden muss. Im Gegensatz dazu ist der andere Irrtum, dass sich Märkte selbst regulieren können, auf dem Höhepunkt des Zyklus am verbreitetsten – genau dann, wenn dem System die größte Gefahr droht.“
Raghuram Rajan glaubt, dass der Kapitalismus selbst in der Lage ist, Krisen zu verhindern, wenn man die Interessen der Kapitalisten etwas einschränkt. Deren Wünsche sind klar: Sie wollen keine Bankenpleiten. Sie geben selbst gefährdeten Banken immer weiter Kredite, da sie davon ausgehen können, dass der Staat im Falle einer Krise schon einen Rettungsschirm für die Banken aufspannen wird. Raghuram Rajan ist fest davon überzeugt, dass der Staat in einem solchen Fall nicht als Retter einspringen darf.
Laut Raghuram Rajan darf man sich nicht darauf verlassen, dass sich die Banken beim Aufnehmen von Schulden selbst disziplinieren. Das kann nur die Aufgabe der Kreditgeber sein. Der Ökonom plädiert für die Ausgabe besonderer Anleihen. Diese Anleihen dürfen nicht von anderen Kreditinstitutionen gehalten werden und können deshalb auch völlig wertlos werden. Die Wirtschaft würde in einem solchen Fall keinen großen Schaden nehmen. Wenn der Preis solcher Anleihen sinken würde, wäre dies ein Warnsignal für die Investoren, das diese Bank in Schwierigkeiten steckt.
Von Hans Klumbies
Kategorien: Wirtschaft |
Tags: Anleihen, Armut, Banken, Bankenpleiten, Bankenrettungsschirm, Bill Clinton, Finanzkrise, Finanzmärkte, George Bush sen., Kapitalismus, Kapitalisten, Keynesianismus, Kredite, Kreditgeber, Luigi Zingales, Manager, Markt, Monetarismus, Neoklassik, Politiker, Populismus, Raghuram Rajan, Saving Capitalism from the Capitalists, Schulden, Spekulanten, Staat, Weltwirtschaftskrise, Wirtschaftszyklus |
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