Geschichte und Naturgeschichte gehören zusammen

David Christian erzählt in seinem neuen Buch „Big History“ die Geschichte der Welt anhand von verschiedenen Schwellenmomenten, in denen die Komplexität zunahm: von der Entstehung des Lebens bis zur Fotosynthese, von der Sprache bis zum menschengemachten Klimawandel. Sein Buch ist eine Synthese der Erkenntnisse aus Physik, Chemie, Biologie, Geologie und Archäologie. Es endet mit einem Ausblick in die Zukunft, in der die Menschheit endlich die Verantwortung für den Planeten Erde übernehmen muss. Um die Geschichte der Menschheit zu verstehen, muss man begreifen, wie sich so eine seltsame Art entwickelte. Das heißt, man muss etwas über die Entwicklung der Erde, der Sterne und der anderen Planeten erfahren, und das bedeutet letztlich, sich die Geschichte des Universums anzueignen. David Christian ist Gründer und wichtigster Vertreter der Big History, die zeigen will, dass Geschichte und Naturgeschichte zusammengehören.

Die neue Ursprungsgeschichte stützt sich auf wissenschaftliche Erkenntnisse

David Christian hat sein Buch in der optimistischen Überzeugung geschrieben, dass die Menschen der Moderne nicht zu einem chronischen Zustand der Zersplitterung und Sinnlosigkeit verurteilt sind. Denn heute bildet sich eine neue, globale Ursprungsgeschichte heraus, die genauso sinnhaft, ehrfurchtgebietend und geheimnisvoll wie jede traditionelle Ursprungsgeschichte ist, sich dabei aber im Unterschied zu diesen auf viele moderne wissenschaftliche Erkenntnisse einer großen Zahl von Disziplinen stützt.

Das Leben, wie der Mensch es kennt, ist aus den extremen chemischen Verhältnissen des jungen Planeten Erde vor fast vier Milliarden Jahren entstanden. Falls es noch anderswo Leben gibt, könnte es so seltsam aussehen, dass die Menschen es nicht erkennen würden. Im Lauf von vier Milliarden Jahren hat eine Riesenarmee lebender Organismen die Erde verwandelt un die Biosphäre geschaffen: eine dünne Schicht an der Oberfläche des Planeten. Sie besteht aus Lebewesen und allem, was diese geprägt, verändert oder zurückgelassen haben.

Das Zeitalter des Anthropozäns hat begonnen

Im 20. Jahrhundert begannen die Menschen ihre Umgebungen, ihre Gesellschaften und sogar sich selbst umzugestalten. David Christian schreibt: „Ohne es wirklich zu wollen, haben wir Veränderungen eingeführt, die so rasch und massiv waren, dass unsere Art gewissermaßen zu einer neuen geologischen Kraft wurde.“ Aus diesem Grund vertreten viele Wissenschaftler die Auffassung, der Planet Erde sei in ein neues geologisches Zeitalter, das Anthropozän oder das „Zeitalter der Menschen“, eingetreten.

Wenn der Menschheit der Übergang zu einer nachhaltigen Welt gelingt, wird deutlich werden, dass die menschliche Geschichte in Wahrheit einer einzigen Schwelle von zunehmender Komplexität gleicht, die ihren Höhepunkt in dem bewussten Umgang mit einer ganzen Biosphäre findet. Für die Menschen, die heute leben, zerfällt die menschliche Geschichte nur deshalb in Abschnitte, weil sie ihr so nahe sind. Die größere, zusammenhängende Schwelle begann mit dem kollektiven Lernen, das immer dichtere und komplexere menschliche Gesellschaften erzeugte. Zudem beschleunigte es den Wandel und löste damit ganz neue dynamische Entwicklungen aus, indem es die Menschheit zu wachsender Kontrolle über die Biosphäre befähigte.

Big History
Die Geschichte der Welt – vom Urknall bis zur Zukunft der Menschheit
David Christian
Verlag: Hanser
Gebundene Ausgabe: 381 Seiten, Auflage: 2018
ISBN: 978-3-446-25833-4, 25,00 Euro

Von Hans Klumbies

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