Das Konzept von Introvertiertheit und Extrovertiertheit

Hans Eysenck gehört zu den meist zitierten Forschern in der Psychologie des 20. Jahrhunderts. Das ist kein Wunder, denn sein wissenschaftliches Werk umfasst mehr als 50 Bücher und über 900 Fachartikel. Vor allem erforschte er die Unterschiede in der Persönlichkeit. Die Grundlage für seine Forschungen legte er schon in seinem ersten Buch „Dimensions of Personality“, in dem er das Konzept von Introvertiertheit und Extrovertiertheit entwickelte. Hans Eysenck bestand darauf, dass jede Studie über die Unterschiede der Persönlichkeiten objektiv und statistisch verifizierbar sein müsse. Er ist ein Anhänger der Faktorenanalyse, die es ihm ermöglicht aus einer Vielzahl von Beobachtungsdaten Rückschlüsse auf die Unterschiede von Persönlichkeiten zu ziehen.

Hans Eysenck erforscht die Unterschiede von Persönlichkeiten

Wenn Hans Eysenck Probanden befragte, teilte er sie je nach ihren Antworten in die Kategorien extrovertiert, introvertiert sowie neurotisch ein, die er Obermerkmale nannte. Er ging davon aus, dass die Obermerkmale genetisch bedingt und in der Physiologie des Menschen verankert seinen, deren Sitz er im Gehirn und im zentralen Nervensystem vermutete. Durch unterschiedliche Stufen der Erregung des Gehirns werde entweder die Extrovertiertheit oder die Introvertiertheit ausgebildet.

Wird emotional auf Ereignisse reagiert, trete die neurotische Dimension in den Vordergrund, die ihre Basis im Nervensystem habe. Später fügte Hans Eysenck seiner Theorie noch eine vierte Dimension, den Psychotizismus hinzu, die dazu diente, die Wahrscheinlichkeit zu bestimmen, ob ein Mensch gegen ein System rebelliert, leicht die Beherrschung verliert oder in bestimmten Situationen ohne Rücksicht auf Verluste reagiert.

Der Unterschied zwischen Extrovertiertheit und Introvertiertheit

Laut Hans Eysenck gehören zur Extrovertiertheit folgende Faktoren: das Gehirn ist weniger erregbar als das eines Introvertierten. Deshalb sucht der extrovertierte Mensch nach externen Stimulationen und fühlt sich nur über den Kontakt zu anderen Menschen wirklich lebendig. Extrovertierte gehen offener auf Ereignisse zu, da es für sie kaum eine Rolle spielt, wie ihre Persönlichkeit von anderen Menschen wahrgenommen wird.

Der nach außen gerichtete Mensch ist in der Regel lebhafter und optimistischer, was aber auch negativ in Rastlosigkeit, Freude am Risiko und Unzuverlässigkeit umschlagen kann. Den introvertierten Menschen definiert Hans Eysenck wie folgt: das Gehirn des Introvertierten ist erregbarer als das des Extrovertierten, was ihn anfälliger für Stimmungsschwankungen macht. Der Introvertierte meidet zuviel sozialen Austausch, oft braucht er ihn auch nicht, weil sein reiches Innenleben dieses Manko kompensiert.

Der Neurotizismus des Hans Eysenck

Da sie die Umwelt intensiver erleben, reagieren sie stärker und mit mehr Sorgen auf die äußeren Lebensumstände. Sie sind normalerweise reservierter, ernster und pessimistischer als Extrovertierte, was zu mangelndem Selbstwert und Schuldgefühlen führen kann. Den Neurotizismus fasst Hans Eysenck folgendermaßen zusammen: der Neurotizismus ist ein Fingerzeig darauf, wie sehr der Mensch dazu neigt, nervös, ängstlich, besorgt oder gestresst zu sein.

Hohe Werte bedeuten, dass das Gehirn eine Prädisposition für Neurosen aufweist. Ein niedriger Wert korreliert mit mehr emotionaler Stabilität. Menschen die neurotizistische Anlagen aufweisen, reagieren überzogen auf äußere Reize. Introvertierte Menschen mit dieser Anlage sind anfällig für Phobien oder Panikattacken, Extrovertierte neigen dazu, die Wirkung von Ereignissen zu unterschätzen.

Kurzbiographie: Hans Eysenck

Hans Eysenck wurde 1916 in Deutschland geboren. Es musste in den 30er Jahren nach England fliehen, da er offen gegen die Nationalsozialisten eingetreten war. Dort promovierte er 1940 an der University of London in Psychologie. Während des Zweiten Weltkriegs war er als Psychiater am Mill Hill Emergency Hospital beschäftigt.

Von 1945 bis 1950 arbeitete er als Psychologe am Maudsley Hospital. Außerdem gründete und leitete er die psychologische Abteilung am University of London Institute of Psychiatry. Er war dort bis 1983 tätig. Hans Eysenck starb 1997.

Von Hans Klumbies

Keine Kommentare

  1. Mensch1 sagt:

    Aus 1616 schnell 1916 gemacht. Ansonsten danke ich für diesen und viele weitere belehrende Beiträge.

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