Der größte Genuss des Lebens liegt im Denken

Viele Menschen vergessen oft die einzigartigen Freuden, die einem am Ende des Lebens noch offenstehen, und eine davon ist ganz sicher das stille, gelassene Denken. Daniel Klein hatte immer große Freude an der Art, wie Bertrand Russell (1872 – 1970) die Dinge darstellt: „Es klingt oft nach einer Mischung aus britischer Elite-Uni und der Redeweise einfacher Leute.“ Bertrand Russell ordnet sich mit seinen Statements in eine lange Reihe von Philosophen ein, die glauben, dass einer der größten Genüsse des Lebens im Denken liegt. Als John Stuart Mill, der Sozialphilosoph des 19. Jahrhunderts, das Prinzip des größten Glücks zum Grundbaustein des Utilitarismus machte, unterstrich er, dass die rein animalischen Vergnügungen seinen Anforderungen nicht gerecht werden. Daniel Klein, Jahrgang 1939, studierte Philosophie in Harvard. Zusammen mit Thomas Cathcart schrieb er „Platon und Schnabeltier gehen in eine Bar“, das in 26 Sprachen übersetzt wurde.

Ohne Philosophie lebt der Mensch wie in einem Gefängnis

Für John Stuart Mill gibt es niedere und höhere Genüsse, wobei der geistige Spaß ganz oben rangiert. Ich denke, also fühle ich mich gut. Bertrand Russell sagt nicht einfach, dass Denken eine Vorbedingung sei, wenn man ein erfülltes Leben führen wolle. Der britische Philosoph glaubt eher, dass das Prüfen des Lebens einer der ganz zentralen Genüsse sei, die das Leben lebenswert machen. Er denkt, das Denken an sich schon etwas Wunderbares ist – vielleicht sogar besser, als mit jemandem ins Bett zu gehen.

Besonders lebensbereichernd findet Bertrand Russell das philosophische Denken. In seinem reizvollen und leicht zugänglichen Text „Der Wert der Philosophie“ zeigt er auf, wie ein Mensch mit der Beschäftigung mit den großen Fragen wächst. Bertrand Russell schrieb: „Wer niemals eine philosophische Anwandlung gehabt hat, der geht durchs Leben und ist wie in ein Gefängnis eingeschlossen: von den Vorurteilen des gesunden Menschenverstands, von den habituellen Meinungen seines Zeitalters oder seiner Nation und von den Ansichten, die ohne die Mitarbeit oder die Zustimmung der überlegenen Vernunft in ihm gewachsen sind.“

Epikur hielt ein philosophisches Leben für das bestmögliche überhaupt

Die Philosophie hält die menschlichen Fähigkeiten zu erstaunen wach, indem sie vertraute Dinge von nicht vertrauten Seiten zeigt. Bertrand Russell verbeugt sich vor dem antiken griechischen Hedonismus, wenn er schreibt, dass das philosophische Leben „ruhig und frei“ sei. Epikur hielt ein solches Leben für das bestmögliche überhaupt – ein beschauliches Leben sei randvoll mit Genüssen. Bertrand Russell richtet seinen Blick auch auf noch Höheres, auf das Leben des philosophischen Geistes.

Bertrand Russells Fazit lautet: „Vor allem aber werden wir durch die Größe der Welt, die die Philosophie betrachtet, selber zu etwas Größerem gemacht und zu jener Einheit mit der Welt fähig, die das größte Gut ist, das man in ihr finden kann.“ Es klingt fast so, als würde Bertrand Russell die Philosophie als Religion betrachten. Dieser Glaubensgemeinschaft würde sich Daniel Klein mit Freuden anschließen – vorausgesetzt, sie würden ihn aufnehmen. Quelle: „Immer wenn ich den Sinn des Lebens gefunden habe, ist er schon wieder woanders“ von Daniel Klein

Von Hans Klumbies


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