Cicero stellt die Gemeinschaft über das Individuum

Cicero preist den Menschen als Gemeinschaftswesen. Der Mensch bildet mit anderen Menschen eine Gesellschaft, nicht deswegen, weil er sich als einzelner schwach fühlt, sondern weil ihm eine natürliche Geselligkeit angeboren ist. Das Menschengeschlecht ist einfach nicht einzeln lebend oder einzelgängerisch. Die rationale Natur des Menschen verbindet die Individuen untereinander zur Gemeinschaft in der Sprache und der Gestaltung des Lebens. Über das Lebensnotwendige hinaus will der Mensch laut Cicero sein Glück mehren und nach der Wahrheit und dem Sinn des Lebens fragen.

Neben der Weißheit ist die Freundschaft für Cicero das höchste Gut

Neben der Weißheit betrachtet Cicero die Freundschaft als höchstes Gut, die er als wohlwollende und liebende Übereinstimmung in allen göttlichen und menschlichen Angelegenheiten betrachtet. Wenn das gegenseitige Wohlwollen nicht vorhanden wäre, könnte kein Haus oder eine Stadt bestehen, der Ackerbau käme zum erliegen.

Die Leistungen großer Römer wären ohne die Freundschaft tüchtiger Zeitgenossen nicht möglich gewesen. Die Freundschaft ist ihrer Natur nach die Förderin der Tüchtigkeit. Das sittliche Verhalten im Alltag des einzelnen Bürgers, seine Zuverlässigkeit und Tüchtigkeit sichert den Fortbestand der Gemeinschaft und des Staates.

Jeder sollte das Ideal der Menschlichkeit anstreben

Die Herrschaftsform des römischen Imperiums erfordert die höchste Ausbildung des Menschentums, die wahre Menschlichkeit. Zur Menschlichkeit gehört neben der Freundlichkeit anderen Menschen gegenüber, die Bildung auf geistigem und literarischem Gebiet. Das Wesen des Menschen umfasst für Cicero das Ethische, das Politische, das Intellektuelle und das Ästhetische.

Das wahre Menschsein vollendet sich für ihn in der Eleganz des Geschmacks, der persönlichen Anmut und im Witz. Jeder Mensch solle das Ideal der Menschlichkeit im privaten und öffentlichen Bereich anstreben. Cicero betont immer wieder, dass der Mensch nur als Mensch überleben kann, wenn er sich auf die Mitmenschen verlassen und stützen kann. Deshalb muss das Recht auf die Gleichheit ausgerichtet sein, damit es Schwache und niedriger Gestellten schützen kann.

Der einzelne Mensch ist für die Gemeinschaft verantwortlich

Das Gemeinwesen hat immer Vorrang vor jedem Einzelinteresse, was allerdings nicht zur Gleichmacherei führen darf. Deshalb darf es auch keine gleichmachenden Steuern geben, die nur bei äußerster Not eingeführt werden dürfen. Soziale Gleichmacherei wie kostenfreies Wohnen oder Schuldenerlass schädigt den Charakter der betroffenen Menschen und unterhöhlt die Gemeinschaft. Der Privatbesitz ist zwar zu achten, er ist aber immer dem Sozialen verpflichtet, da das Gemeinnutzen Vorrang vor dem Eigennutzen genießt.

Laut Cicero hat jeder Mensch von Gott eine Aufgabe für sein Leben erhalten. Diese dem Menschen gestellte Aufgabe ist allerdings prinzipiell immer auf die Gemeinschaft ausgerichtet. Der einzelne Mensch ist für die Gemeinschaft da. Die Gesellschaft kann sich auf die Fähigkeiten und Aktivitäten des einzelnen Individuums stützen, da die Gemeinschaft des Vaterlandes das eigentliche Ziel aller seiner Betätigungen ist.

Von Hans Klumbies


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