Menschen wollen ihren Körper und Geist verbessern

Mehr als 13 Prozent der Studenten in den USA werden verdächtigt, das Medikament Ritalin vor Examina einzunehmen. Bernward Gesang kennt den Grund dafür: „Sie hoffen, dass dieses eigentlich für hyperaktive Kinder konzipierte Medikament willkommene Nebenwirkungen hat und die Konzentration fördert.“ In den USA ist deshalb eine Debatte um Dopingtests für Studenten entbrannt. Ob Ritalin wirklich diese Wirkung hat, ist umstritten. Aber die Pharmaindustrie hat die Bedürfnisse erkannt und Forschungsprojekte gestartet. Es werden Pillen entwickelt, die das Gedächtnis verbessern sollen. Schon im Jahr 2004 lag der Umsatz mit Medikamenten gegen das Vergessen bei rund 10 Milliarden Dollar. Vielfach gibt es jedoch noch nicht viel mehr als Tierversuche. Richtig schlau haben die Forscher bisher nur Mäuse und Taufliegen machen können. Professor Dr. Bernward Gesang lehrt Philosophie mit dem Schwerpunkt Wirtschaftsethik in Mannheim.

Menschen können durch Gentechnik und chemische Präparate verändert werden

Unter „Enhancement“ versteht Bernward Gesang vorrangig den Versuch einer technischen Verbesserung normaler Eigenschaften des gesunden Menschen durch Eingriffe in seinen Körper, die in der Absicht geschehen, den Menschen zu verbessern. Bernward Gesang nennt Beispiele: „So etwas beginnt mit Schönheitsoperationen und kann mit Chimären enden.“ Man kann sich vorstellen, Menschen durch Gentechnik, Operationen oder chemischen Präparate zu verändern. Man kann sich dadurch Vorteile im Wettbewerb um Jobs und Partner versprechen.

Oder man kann sich einfach daran erfreuen, eine Perfektion etwa im Handeln und Aussehen zu erreichen, die man zu vor nicht besaß. Bernward Gesang fügt hinzu: „Staaten könnten ein Interesse an mehr Erfindungen, mehr Wirtschaftsleistung und mehr Steuereinnahmen haben, und Weltverbesserer könnten auf mehr Moral, weniger Aggression, weniger Gewalt et cetera hoffen.“ Was als Verbesserung gedacht war, kann sich allerdings auch ins Gegenteil verkehren und Schäden an Geist und Körper verursachen.

Der freie Mensch muss über das Risiko selbst entscheiden

Was aus diesen Gefahren folgt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Die Liberalen meinen: Der freie Mensch muss eben selbst entscheiden, ob er solche Risiken eingehen will. Er wird ja nicht gezwungen, sich verbessern zu lassen, sondern er kann wählen. Und in einer Welt, in der man Selbstschädigungen wie Rauchen oder Skirennfahren et cetera zulässt, wäre ein Verbot von Enhancement unverhältnismäßig. Die Konservativen widersprechen vehement. Denn für sie gibt es eine objektiv richtige Art und Weise, wie Menschen leben sollen.

Eine technische Generalüberholung der Natur des Menschen ist dabei nicht vorgesehen. Die Konservativen behaupten, es sei zum Beispiel für jeden Menschen wertvoll, sein Leben in Kontakt mit der Realität zu leben, statt sich Glücksgefühle über eine Pille zu verschaffen. Individualisten gelten als verblendet, was von ihnen langfristig auch eingesehen werde. Der Konservative glaubt, er könne das Glück desjenigen, das verbessert werden soll, besser beurteilen als dieser selbst. Quelle: „Neue Menschen!“ von Konrad Paul Liessmann (Hrsg.)

Von Hans Klumbies


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.