Gemeinschaften brauchen selbstbestimmte Menschen

Die Tendenz zum Jasagen zur Mehrheitsmeinung einer Gruppe oder zu Autoritäten hat den schlimmen Effekt, dass nicht nur der dümmsten Lösung zum Durchbruch verholfen wird, sondern sogar abscheuliche Verbrechen im Namen des „Das wurde mir so aufgetragen“ geschehen. Es gehört zum menschlichen Gruppenverhalten, das zu tun, was von einem erwartet wird. Und das wird nur in den seltensten Fällen hinterfragt. Anja Förster und Peter Kreuz kennen den Grund: „Wer mitspielt, wird belohnt mit sozialer Anerkennung und Aufstieg.“ Die sozialen Fähigkeiten des Menschen sind in Phasen der Evolution entstanden, in denen es darauf ankam, Feinden zu entkommen, Nahrung zu finden und Gruppen zusammenzuhalten. Und in all diesen Fällen war Mitmachen eine sinnvolle Strategie. Anja Förster und Peter Kreuz nehmen als Managementvordenker in Deutschland eine Schlüsselrolle ein.

In homogenen Gruppen zeigen Menschen oftmals ein dummes Verhalten

Die Schwarmdummheit ist eine altbekannte Sache, die von Hans Christian Andersen im 19. Jahrhundert in seinem Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ nach einem mittelalterlichen spanischen Vorbild in Szene gesetzt wurde: Weil das ganze Volk die schönen neuen Kleider des Kaisers bewunderte, jubelte jeder Einzelne mit und keiner traute seinen eigenen Augen und seinem Urteil. Erst die Immunität eines Kindes gegenüber dem merkwürdigen Massentheater der Erwachsenen brachte die Wahrheit ans Licht: Der Kaiser war nackt!

Anja Förster und Peter Kreuz haben erkannt: „Weil Menschen sich in homogenen Gruppen allzu häufig dumm, menschenverachtend, gewalttätig und außerdem entwicklungs- und innovationsunfähig verhalten – und weil dieses Verhalten umso schlimmere Folgen hat, je komplexer unsere Welt wird – brauchen wir dringend Menschen, die ihre Individualität leben.“ So wahr es ist, dass selbstbestimmte Individuen Gemeinschaft brauchen, um existieren zu können, so wahr ist auch: Gemeinschaften brauchen selbstbestimmte Individuen.

Die Gesellschaft und die Wirtschaft brauchen mehr Selbstdenker

Eine extrem wichtige Voraussetzung dafür, dass eine Gruppe oder auch eine Gesellschaft nicht dumm, sondern intelligent agiert, ist Heterogenität und Diversität. Das erzeugt eine kreative Spannung, die oft zu innovativeren Ideen und besseren Ergebnissen führt. Das ist eigentlich nicht schwer zu verstehen: Das Problem der Homogenität ist, dass dort nichts Neues entsteht. Innovationen brauchen den Zündfunken, der entsteht, wenn sich unterschiedliche Ideen, unterschiedliches Denken, unterschiedliche Menschen aneinander reiben.

Die Gesellschaft und die Wirtschaft brauchen mehr Individuen und Selbstdenker – Anja Förster und Peter Kreuz sagen gerne: Querdenker. Sie entwickeln interessante Ideen jenseits des Mainstreams und treiben sie voran. In der Praxis bedeutet das aber noch lange nicht, dass dies erwünscht und förderlich für die Karriere wäre. Denn wer eine Meinung vertritt, die von der herrschenden Norm abweicht, ist sehr schnell einsam. Der Mehrheit ist allerdings nicht bewusst, dass sie dem Querdenker eigentlich dankbar sein sollte. Quelle: „Nein“ von Anja Förster und Peter Kreuz

Von Hans Klumbies

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