Andreas Salcher erklärt die Geheimnisse eines guten Rufs

Ein bekanntes Sprichwort lautet: „Eigenlob stinkt“. Der gute Ruf eines Menschen ergibt sich vielmehr dadurch, dass möglichst viele andere über ihn reden. Trotzdem verfallen immer wieder Menschen dem Irrglauben, dass sie sich nur oft und laut selbst beweihräuchern müssen, um eine hohe Reputation zu erwerben. Anders lässt es sich für Andreas Salcher nicht erklären, warum die Welt so voll von Ankündigungen ist.  Man muss schon eine laute Stimme haben, um sich in dem Marktgeschrei der Selbstpreisungen auch nur für kurze Zeit Gehör zu verschaffen. Andreas Salcher veröffentlichte sein erstes Buch „Der talentierte Schüler und seine Feinde“ im Jahr 2008. Davon verkaufte er 30.000 Bücher. Seither schreibt er jedes Jahr einen Bestseller. Sein erfolgreichstes Buch ist „Meine letzte Stunde“ mit mehr als 50.000 verkauften Exemplaren. Sein neuestes Werk heißt „Erkenne dich selbst und erschrick nicht“.

Kluge Menschen vertrauen ihren Ohren

Andreas Salcher weist darauf hin, dass kluge Menschen erkannt haben, dass der gute Ruf immer aus den Energien entsteht, die man bei anderen auslöst, nie durch das, was man von sich selbst behauptet. Sie vertrauen daher weit mehr ihren Ohren als ihrer Stimme. Andreas Salcher erklärt: „Sie hören genau hin, was Resonanz bei anderen findet. Die Herzen der Menschen öffnen sich leicht, wenn sie glauben, etwas zu hören, das in ihrem Innersten schon ausgeformt, aber noch nicht formuliert war.“

Wer seine eigenen Gedanken einem Echo gleich aus einem fremden Mund hört, wird sich davon angezogen fühlen. Und wenn die Stimme auch leise ist, wird sie leicht zum Angesprochenen vordringen, unverwechselbar sein im Lärm der anderen, die immer nur über sich selbst schwelgen. Der Chor der Weltmeister im Ankündigen ist gigantisch, klein dagegen der Kreis derjenigen, die es auf einem Gebiet zur wirklichen Meisterschaft gebracht haben. Niemand, der mit Vernunft gesegnet ist, wird ein neues Werk hinausposaunen, bevor dieses vollendet ist.

Durch Abwesenheit kann man seine Verehrung fördern

Denn der Kluge weiß genau, dass sein guter Ruf schwer beschädigt wäre, falls das neue Werk dann doch nicht abgeschlossen wird. Auch Politiker, die sich den Ruf eines Staatsmanns erwerben konnten, beherrschten alle die Kunst des beharrlichen Schweigens. In der Wirtschaft war Steve Jobs ein wahrer Meister darin, die Öffentlichkeit über seine Absichten rätseln zu lassen. Andreas Salcher fügt hinzu: „Jobs verstand es auch schon vor seiner Krebserkrankung, sich immer für längere Zeit zurückzuziehen, um das Interesse an seiner Person wach zu halten.“

Als Paradebeispiel dafür, wie man durch Abwesenheit seine Verehrung fördern kann, nennt Andreas Salcher den katalanischen Koch Ferran Adrià. Dieser schaffte es in den Jahren 1983 bis 2011, sein Restaurant „El Bulli“ als Nummer ein in allen Gourmetführern der Welt zu etablieren. Der Gastrotempel war immer nur sieben Monate im Jahr geöffnet. In den restlichen fünf Monaten diente das Restaurant als Forschungslabor, in dem Ferran Adrià gemeinsam mit einer gesamten Küchemannschaft an Innovationen arbeitete. Auch weigerte er sich hartnäckig, die fünfzig Plätze im „El Bulli“ auch nur um einen zu erhöhen.

Von Hans Klumbies

 

 

 

 

 


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