Die Illusion des dauerhaften wirtschaflichen Wachstums

Hans Diefenbacher und Roland Zieschank stellen in ihrem Buch „Woran sich Wohlstand wirklich messen lässt“ aktuell diskutierte Alternativen zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) vor und zeigen am Beispiel des von ihnen vorgelegten Wohlfahrtsindex Ansätze zur Entwicklung eines nachhaltigen Inlandsprodukts. Die Autoren halten das Bruttoinlandsprodukt für die heilige Kuh der herrschenden Ökonomie. Zudem misst die Politik ihre Erfolge an seinen Wachstumsraten. Er gilt seit Jahren als die Norm für die Kraft der Wirtschaft und des Wohlstands in Deutschland. Doch die Dinge, die das Leben der Deutschen bereichern, wie ehrenamtliche Leistungen, gesunde Umwelt, gerechte Verteilung der Chancen oder ein Zugang zur medizinischen Versorgung für alle, fließen nicht in das Bruttoinlandsprodukt mit ein.

Kritik an der Berechnung des Bruttosozialsprodukts

Das Autorenduo ergänzt das einseitige Bruttosozialprodukt und erklärt, warum Wohlstand anders gemessen werden muss. Der von Hans Diefenbacher und Roland Zieschank entwickelte Nationale Wohlfahrtsindex berücksichtigt auch ökologische und soziale Aspekte. Die Autoren sind nicht die einzigen Kritiker der Zusammensetzung des Bruttoinlandsprodukts. Seit Jahrzehnten kritisieren Wissenschaftler, dass die Leistungen der Natur in der BIP-Rechung als unentgeltliche Leistungen betrachtet und auch die Kosten der Umweltzerstörung nicht angemessen erfasst werden.

Moniert wird auch, dass in die Berechnung des BIP die Verteilung des materiellen Reichtums in einem Land nicht eingeht und die Höhe des BIP davon unabhängig ist, inwieweit bei der Wertschöpfung Kapital unwiederbringlich verbraucht wird oder nicht. Zudem wird bei der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts nicht zwischen wohlfahrtssteigernden und wohlfahrtsmindernden Gütern unterschieden.

Nullwachstum muss keinen Rückschritt bedeuten

Hans Diefenbacher und Roland Zieschank weisen auf die Verdrängung der negativen sozialen und ökologischen Begleiterscheinungen quantitativen Wachstums hin. Die Kosten für die Beseitigung von Umweltschäden und sozialen Problemen können die rein rechnerisch erzielten Wachstumsraten jederzeit aufzehren. Die Autoren schreiben: „Das Wirtschaftswachstum bietet inzwischen offenbar nicht mehr die über Jahrzehnte hinweg versprochenen Lösungen für das Wohlergehen der Gesellschaft, vielmehr untergräbt es sie teilweise – oder es bleibt ohnehin, zum Beispiel in den alten Industrienationen, immer häufiger aus.“

Die Autoren vertreten in ihrem Buch „Woran sich Wohlstand wirklich messen lässt“ die These, dass Staaten, die sich rechtzeitig mit dem Thema eines möglichen Nullwachstums befassen und eine in weiten Bereichen noch zu entwickelnde Strategie anwenden, um möglichst wenig Rohstoffe und Energie zu verbrauchen, werden in Zukunft weniger krisenanfällig sein. Hans Diefenbacher lehrt als apl. Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Heidelberg. Roland Zieschank arbeitet seit 1990 am Forschungszentrum für Umweltpolitik (FFU) an der Freien Universität Berlin.

Woran sich Wohlstand wirklich messen lässt
Alternativen zum Bruttoinlandsprodukt
Hans Diefenbacher/ Roland Zieschank
Verlag: Oekom
Broschierte Ausgabe: 109 Seiten, Auflage: 2011
ISBN: 9783865812155, 12,95 Euro

Von Hans Klumbies

Woran sich Wohlstand wirklich messen lässt

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