Alleinerziehende benötigen eine perfekte Eigenorganisation

Obwohl eine Partnerschaft mit Kindern die noch am meisten gelebte Lebensform ist, steigt die Zahl der alleinerziehenden Mütter beziehungsweise Väter. Alleinerziehend bedeutet aber nicht nur, alleine zu erziehen. Es bedeutet vielmehr, vom morgendlichen Aufstehen bis zum abendlichen Ins-Bett-Bringen für die Kinder da zu sein. Dabei bleibt meist wenig Zeit für sich selbst. Dennoch scheint es, als wäre dieses Modell der Single-Mamas und alleinerziehenden Papas das Modell zu Zukunft. Der Grund: Beziehungen werden instabiler und damit wandeln sich auch oft die Werte und Einstellungen gegenüber Familie und Ehe. Anja Gutmann, Psychotherapeutin und Familienberaterin aus Graz, erklärt: „Eine unbefriedigende Partnerschaft wird nicht mehr so häufig aufgrund moralischer, gesellschaftlicher bzw. religiöser Wertvorstellungen durchgehalten, sondern eher aufgelöst. Neue Familienformen werden gängiger.“

Alleinerziehende brauchen eine Portion gesunden Egoismus

Karriere, Kindererziehung und Freizeit unter einen Hut zu bringen, ist für Alleinerziehende häufig besonders schwierig. Laut Anja Gutmann tauchen folgende Fragen auf: „Wer versorgt meine Kinder, während ich arbeite? Wie können meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse noch Platz finden?“ Ohne Unterstützung ist das schwer zu schaffen. So fehlen oft Informationen, wo es beispielsweise offene Betreuungsplätze für Kinder oder Oma-Opa-Dienste gibt, klärt Yvonne Zöllinger, Psychotherapeutin aus Graz auf.

Zudem erfordert es ein immer größeres Maß an perfekter Eigenorganisation. Viele alleinerziehende Elternteile vernachlässigen dabei die eigenen Bedürfnisse. Es darf aber gerade in diesem Szenario auf keinen Fall eine Portion an gesundem Egoismus fehlen. Yvonne Zöllinger verdeutlicht: „Man kann nicht gut für das Kind sein, wenn man nicht gut zu sich ist. Schon zehn Minuten in der Sonne sitzen oder ein Mal am Tag etwas Gutes für sich selbst tun, bedeutet, gut auf sich selbst zu schauen.“ Entwicklungspsychologisch sind die ersten zwei bis drei Lebensjahre eines Kindes die Basis für das gesamte Leben.

Kleinkinder brauchen Zeit und bedingungslose Liebe

In dieser frühesten Kindheit brauchen Kinder viel an Zuwendung, Zeit und bedingungsloser Liebe. Psychotherapeutin Yvonne Zöllinger rät: „Mütter sollen sich zum Kind setzen, es fördern und die Zeit persönlich dem Kind widmen. Auch später soll auf die normalen Dinge Wert gelegt werden und nicht auf materielle.“ Man muss dem Kind nicht das teuerste Handy oder die neueste Handtasche bieten, sondern sich nur Zeit nehmen – bereits ein Spaziergang an der frischen Luft, ein Tag am See oder ein gemütlicher Spieleabend sind wertvolle Erfahrungen und schaffen eine gemeinsame Basis.

Ansonsten könnte die fragile Bindung zwischen dem stressgeplagten, oft unter Zeitdruck stehenden Elternteil und dem Kind verloren gehen. Ab einem bestimmten Alter verspüren viele Frauen das Bedürfnis, Mutter zu werden – gelegentlich ohne dabei in einer Partnerschaft zu leben. Yvonne Zöllinger fordert: „Die Verantwortung gegenüber dem Kind muss bewusst sein.“ Deshalb ist es wichtig, dass diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen, sondern sorgfältig durchdacht wird. Zu bedenken ist aber immer: Entscheidet man sich für ein Kind, fühlen sich viel Alleinerziehende schnell überfordert. Quelle: moments – Das Magazin für die schönsten Augenblicke

Von Hans Klumbies

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