Die Demokratie garantiert die freie Meinungsäußerung

Klug denken heißt, sich nicht nur auf persönliche Erfahrungen zu verlassen oder die Auffassungen höherer Institutionen blind zu übernehmen. Allan Guggenbühl erklärt: „Kluge Menschen verstehen das Wissen ihrer Kultur als Ressource für eigenständige und kritische Gedanken zu nutzen. Wie wir denken, hängt darum auch von den Einbindungen in unsere Gemeinschaft und Zivilisation ab.“ Demokratische Gesellschaften zeichnen sich durch einen öffentlichen Diskurs aus. Man hört sich die Geschichten verschiedener Gemeinschaften an und beteiligt sich an ihren Aufregungen. Am öffentlichen Diskurs darf jeder teilhaben. Bestimmte Themen werden über die Medien angestoßen, die die Menschen aufnehmen und weiterspinnen können. Allan Guggenbühl ist seit 2002 Professor an der Pädagogischen Hochschule Zürich tätig. Außerdem fungiert er als Direktor des Instituts für Konfliktmanagement in Zürich.

Der öffentliche Diskurs stößt Debatten an

Der öffentliche Diskurs präsentiert Themen, über die man nachdenken kann und dank denen die Vergemeinschaftung stattfindet. Der öffentliche Diskurs beeinflusst das Denken der Bürger. Allan Guggenbühl rät: „Aus diesem Grund muss man seine Mechanismen studieren, um seine Macht auf unser Denken abschätzen zu können.“ Öffentliche Diskurse basieren auf der Meinungsfreiheit, Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO. Weder der Staat, eine Partei noch der Klerus bestimmen, was man denken soll und was man sagen darf.

Jeder ist frei, seine Meinung zu äußern. Es werden Themen generiert, die von der Allgemeinheit aufgenommen und an deren Diskussion sich alle beteiligen können. Man bespricht Probleme nicht nur in abgeschotteten Kreisen oder in der Familie, sondern es gibt medial vermittelte Anliegen und Ängste. Beim öffentlichen Diskurs geht es nicht nur um die Vermittlung von Informationen, sondern auch um Debatten. Die vermittelten Ereignisse werden kommentiert, analysiert und diskutiert. Es wird gemeinsam gedacht.

Der öffentliche Diskurs stellt eine unabhängige Macht dar

Der öffentliche Diskurs hilft den Menschen, Ereignisse in der Nähe und in der Ferne zu verstehen und zu beurteilen. Allan Guggenbühl nennt Beispiele: „Wir werden für neue Themen sensibilisiert und vor unheilvollen Entwicklungen gewarnt: Überalterung, Erderwärmung, Jugendgewalt, Ärztemangel.“ Da der öffentliche Diskurs durch diverse Mitspieler und viele Faktoren beeinflusst wird, bleibt er unberechenbar. Nicht nur die Themen, auch die Abläufe und Ziele der gemeinsamen Rede sind unbestimmt.

Niemand weiß, wer das Thema eigentlich setzt, worüber genau gesprochen werden soll und ob beziehungsweise wie lange es ein Dauerbrenner bleiben wird. Der öffentliche Diskurs ist deshalb voller Überraschungen. Plötzlich beherrscht ein Thema die Medien und löst Aufregungen, Ängste oder Stürme der Begeisterung aus. Da der öffentliche Diskurs durch eine Vielzahl verschiedener Faktoren und Stimmungen beeinflusst wird, muss man ihn als unabhängige Macht verstehen. Quelle: „Die vergessene Klugheit“ von Allan Guggenbühl

Von Hans Klumbies

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