Gewalt gegen Frauen und Fremde ist durch nichts zu rechtfertigen

In Deutschland wurden im Jahr 2015 rund 117.000 Frauen vergewaltigt oder sexuell belästigt; jede Fünfte vom Ehemann, Freund oder von der Ex-Beziehung. Etwa 643.000 Frauen wurden Opfer von Gewalt in Beziehungen, verschleiernd „häusliche Gewalt“ genannt. Und 327 wurden getötet; eine von dreien vom eigenen Ehemann oder Freund. Woher die Zahlen kommen? Alice Schwarzer kennt die Antwort: „Es handelt sich um reale Fälle, bei den Toten, oder um erstattete Anzeigen mal zwölf.“ Denn, so erforschte das Bundesfrauenministerium in einer breit angelegten Studie: Nur jedes zwölfte Opfer von Gewalt erstattet Anzeigen. Und da redet Alice Schwarzer weder von Flüchtlingen noch von Migranten, noch vom Islamismus: „Diese epidemische, strukturelle Männergewalt in unserer christlich geprägten Demokratie ist hausgemacht. Sie ist das dunkle Geheimnis im Herzen des Machtverhältnisses der Geschlechter.“ Alice Schwarzer (73) ist Feministin sowie Gründerin und Herausgeberin der Zeitschrift „Emma“.

Im Islam gibt es keine Frauenbewegung und keine Gleichberechtigung

Allerdings ist private sexuelle Gewalt gegen Frauen sanktioniert in den westlichen Demokratien. Doch auch hier noch gar nicht seit so langer Zeit. Das Gesetz gegen Vergewaltigung in der Ehe zum Beispiel wurde in Deutschland erst 1997 eingeführt. Die Frau oder die Welt will nicht so, wie Er will. Also greift Er zur Gewalt. Der gekränkte Mann. Alice Schwarzer frägt nach dem Unterschied dieser Gewalt zwischen den Geschlechtern zu dem, was Deutschland an Silvester in Köln erlebt hat – und seither immer wieder auf öffentlichen Veranstaltungen.

Alice Schwarzer erklärt: „Der Unterschied ist die weitgehende Legitimierung von Gewalt in den patriarchalen Herkunftsländern der Täter, sie kennen keine Frauenbewegung und keine Gleichberechtigung. In ihren Ländern sind Frauen weitgehend rechtlos und Gewalt ein Herrenrecht. Verschärfend hinzu kommt die Befeuerung dieser traditionellen Frauenverachtung durch die islamistische Propaganda, sie gießt Öl ins Feuer.“ Die heimliche private Gewalt gilt nur dem einen Individuum – die demonstrative öffentliche Gewalt soll alle in Angst und Schrecken versetzen.

Der Islamismus ist wie der Faschismus ein Hort von Männlichkeitswahn

Das gilt für islamistisch motivierte Attentäter ebenso wie für Amokläufer. In beiden Fällen ist der Täter der narzisstisch gestörte, der gekränkte Mann. Alice Schwarzer betont: „Doch der Islam ist nicht der Grund für die Welle der öffentlichen Gewalt, auch wenn sie mit ihm begründet wird. Die islamische Propaganda ist lediglich die Ideologie der Stunde, die diese Gewalt gegen Frauen und Fremde rechtfertigt; implizit, also unterschwellig, oder aber explizit, also offensiv.“ Der Islamismus ist wie der Faschismus ein Hort von Männlichkeitswahn und Autoritätshörigkeit.

Im Namen des „Vaters“ rotten sich die real wie vermeintlich gekränkten Söhne zusammen und schwören Rache. Für seine Anführer – vom Islamischen Staat bis zu den Ideologen im Westen – ist der Islamismus eine Machtstrategie; für ihr Fußvolk ist es das Gebräu, das sie trunken macht. Und hochmütig gegenüber Fremden und Frauen, diesen ersten Fremden in der patriarchalischen Hierarchie. Alice Schwarzer stellt fest: „Sicher, der Islamismus hat ganz wie der Faschismus komplexe Gründe, aber er ist ganz wie er auch eine Antwort auf die Erstarkung der Frau.“ Quelle: Der Spiegel

Von Hans Klumbies

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