Alfred Adler: "Spiele bereiten auf das Leben vor"

Für Alfred Adler gibt es im Leben eines Kindes eine Erscheinung, die sehr deutlich die Vorbereitung auf das Erwachsenenalter zeigt – es sind die Spiele. Sie dienen als wichtige Helfer bei der Erziehung, regen den Geist an, beflügeln die Phantasie und fördern die Geschicklichkeit. Im Spiel zeigt sich fast immer die Vorbereitung für das künftige Leben. Außerdem zeigt das Spiel laut Alfred Adler immer, in welchem Verhältnis das Kind zur Gesellschaft steht und ob es den Mitmenschen gegenüber eher feindlich oder freundlich gesinnt ist.

Das Spiel zeigt die Einstellung des Kindes zur Gesellschaft

Möglicherweise tritt auch die Neigung zum Herrschen beim Spiel des Kindes deutlich hervor. Das Spiel zeigt auch, wie das Kind zum Leben im Allgemeinen eingestellt ist. Für das Kind ist das Spiel wahrlich von großer Bedeutung. Vor allem aber bestätigt das spielende Kind sein Gemeinschaftsgefühl, das bei ihm so groß ist, dass es unter allen Umständen darin seine Befriedigung sucht und mit großer Kraft davon angezogen wird. Alfred Adler empfiehlt Eltern, deren Kinder nicht gerne spielen, ganz genau zu beobachten. Sie ziehen sich gern zurück und fallen gewöhnlich als Spielverderber auf, wenn sie mit anderen Kindern zusammengebracht werden.

Diese Kinder sind in der Regel hochmütig, leiden an mangelnder Selbsteinschätzung und fürchten sich daher ihre Rolle schlecht zu spielen. Alfred Adler ist davon überzeugt, dass sich im Allgemeinen das Gemeinschaftsgefühl bei Kindern mit großer Sicherheit bei ihren Spielen bestimmen lässt. Ein anderer Faktor, der bei spielenden Kindern deutlich in den Vordergrund rückt, ist das Ziel der Dominanz, das sich in der Neigung zum Befehlen und zum Herrschen verraten wird.

Eltern sollen die Kinder nicht beim Spielen stören

Für Alfred Adler steht fest, dass es nur wenige Spiele gibt, die nicht wenigstens einen der drei Faktoren, Vorbereitung für das Leben, Gemeinschaftsgefühl und Herrschsucht, beinhalten. Das Spiel bietet aber auch dem Kind die Möglichkeit, sich einfach spielerisch zu betätigen. Vielen Spiele, die von eine schöpferischen Komponente dominiert werden, bereiten auf den zukünftigen Beruf vor.

Alfred Adler hat nicht den geringsten Zweifel daran, dass das Spiel untrennbar mit der seelischen Entwicklung des Kindes verbunden ist. Das Spiel ist sozusagen der Beruf des Kindes und auch so aufzufassen. Es ist auf keinen Fall harmlos, ein Kind bei seinem Spiel zu stören oder zu unterbrechen. Das Spiel darf nicht als eine Vergeudung von Zeit aufgefasst werden.

Kurzbiographie: Alfred Adler

Alfred Adler wurde 1870 in Wien geboren. Er wurde Arzt und praktizierte in Wien. 1902 forderte ihn Sigmund Freud auf, seiner Studiengruppe beizutreten. Im Verlauf der gemeinsamen Forschungen entwickelte Alfred Adler eigene Theorien, die 1911 zum offen Bruch zwischen den beiden Gelehrten führte. Alfred Adler hatte seine eigene Auffassung der Individualpsychologie begründet.

Ab 1925 hielt sich Alfred Adler häufig in Amerika auf, wo er ab 1935 endgültig lebte. Hier fand seine Psychologie große Anerkennung und viele Bewunderer. Die Hochschätzung seiner Lehre hält bis in die Gegenwart an. Alfred Adler starb während einer Vortragsreise 1937 in Aberdeen.

Von Hans Klumbies

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