Das Leben ist ein lebenslanger Lernprozess

In seinem Buch „Leben lernen – ein Leben lang“ erläutert Albert Kitzler, um was es im Leben geht, nämlich es nachhaltig und sinnvoll so zu gestalten, dass man es jeden Tag neu lieben und genießen kann. Der Autor gibt zu, dass dies nicht einfach ist, da nur wenige Menschen diese Kunst beherrschen. Denn die Lebensfreude der meisten Menschen ist getrübt von Sorgen, inneren Konflikten, Ängsten, Unruhe, Rastlosigkeit, Enttäuschungen, Sinnzweifeln und unerfüllten Sehnsüchten. Gerade um solchen Belastungen abzubauen, ist eine Weiterbildung in philosophischer Lebensbewältigung äußerst hilfreich, denn sie sorgt für Freude und neue Energie. Denn Glück und Unglück liegen in der eigenen Seele – das war die einhellige Überzeugung der großen Denker in der Antike. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Der Philosoph und Jurist Dr. Albert Kitzler ist Gründer und Leiter von „MASS UND MITTE“ – Schule für antike Lebensweisheit.

Seneca hat eine faszinierende Lebenslehre hinterlassen

Wie immer auch die äußeren Umstände sein mögen, jeder Mensch kann das Beste daraus machen. Je mehr ihm das gelingt, desto zufriedener ist er mit seinem Leben. Albert Kitzler gelingt es, die Weisheit und Lebenskunst des römischen Philosophen Senecas in die heutige Zeit zu übertragen und für den Alltag nutzbar zu machen. Denn der Autor hat den Eindruck, dass es nirgendwo einen systematisch und methodisch fundierten Unterricht in praktischer Lebensbewältigung gibt. Gerade für junge Menschen wäre dies eine sinnvolle Ergänzung zu ihrer fachlichen Ausbildung.

Das Buch „Leben lernen – ein Leben lang“ will eine Anleitung sein, wie die verschiedensten Herausforderungen des Lebens auf die beste Art bewältigt werden können. Zu diesem Zweck begibt sich Albert Kitzler in die Schule des römischen Philosophen und Staatsmannes Seneca, einem der großen Weisen der Menschheitsgeschichte, der eine faszinierende Lebenslehre hinterlassen hat. Eine der wichtigsten Lebenslehren zum Abbau von Ängsten und zur Förderung von Gelassenheit stammt allerdings von Sokrates: Man sollte sich bei allen Unternehmungen von vornherein darauf einstellen, dass sie auch misslingen könnten.

Glück und Unglück liegen sehr nahe beieinander

Das ist kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Was auf den ersten Blick wie ein Unglück aussehen mag, hat sich im Nachhinein oft als Glücksfall erwiesen. In einer guten Lebensschule lernt man bereits im Grundkurs zumindest dreierlei: Erstens, dass durch Ärger nichts besser wird. Zweitens, dass die Menschen höchst unvollkommene Wesen sind. Und drittens, dass man zwar nicht das Verhalten der anderen ändern kann, aber es an einem selbst liegt, ober man sich durch das Unvermögen anderer ärgern lässt oder nicht.

Das Schlusskapitel eröffnet Albert Kitzler, wie sollte es auch anders sein, mit einem Satz von Seneca: „Wie lange ich lebe, das hängt nicht von mir ab, ob ich aber wirklich lebe, das hängt von mir ab.“ Um vom Leiden zum Wohlbefinden, von den Sorgen zur Freude, von den Ängsten zur Gelassenheit, von Abhängigkeiten zur Freiheit voranzuschreiten – darin sah Seneca seine Lebensaufgabe. An die Möglichkeit von Veränderungen zu glauben und sie einzuüben, war die Absicht des Buchs. Nun liegt es am Leser, das Gelernte im Alltag anzuwenden und Senecas Worte zu erfüllen: „Mache dich selbst glücklich!“

Leben lernen – ein Leben lang
Eine praktische Philosophie
Albert Kitzler
Verlag: Herder
Gebundene Ausgabe: 286 Seiten, Auflage: 2017
ISBN: 978-3-451-60011-1, 20,00 Euro

Von Hans Klumbies

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