Sexualität bedeutet Intimität und Zuneigung

Zum Verständnis der Spannungen und der Erregungen, in die die Sexualität den Menschen versetzen kann, ist es wichtig, die möglichen Bedeutungen der Sexualität zu kennen. Es gibt Menschen, die betrachten den Sex als bloßes Mittel der Fortpflanzung. Seine Bedeutung liegt dann darin, die Befruchtung der Eizelle durch die Samenzelle zu erreichen und so neues Leben zu erzeugen. Bei der künstlichen Befruchtung erfolgt die Fortpflanzung komplett ohne Sexualität. Einige Zeitgenossen betrachten die Sexualität als reine Pflichtübung. Sie sprechen von der Pflicht der Frau, ihrem Gatten Kinder zu schenken und von der Pflicht des Mannes, Kinder zu zeugen.

Verschiedene Formen der Sexualität

Laut Eric Berne sind diese Männer der Ansicht, dass sich die Frau seinen Wünschen unterwerfen muss und dafür im Gegenzug der Frau all das zu geben, auf was sie in ihrer Mädchenzeit verzichten musste. Aktuell geht es bei der Pflicht in der Sexualität auch darum, sich gegenseitig zum Orgasmus zu verhelfen.

Für Eric Berne kann Sex auch eine Art Ritus sein. Man befolgt ihn morgens oder abends, an Geburtstagen, an kirchlichen und weltlichen Festtagen. Die Sexualität kann aber vor allem ein Mittel zur Minderungen von Spannungen sein, die den Menschen ablenken oder gar Unwohlsein oder Schmerzen bereiten könnten.

Den Entspannungszustand erreicht der Mensch durch die Befriedigung seiner Triebe. Wird er zusammen mit einem Menschen erreicht, schämt man sich vielleicht, einen Menschen benutzt zu haben. Bei der Selbstbefriedigung verspürt der Mensch vielleicht einen geheimen Triumph der Selbstgenügsamkeit, der allerdings mit einem Gefühl der Einsamkeit und der Enttäuschung vermischt sein kann.

Die Sexualität kann der höchste Ausdruck der Liebe sein

Eric Berne ist der Ansicht, dass Sex auch dazu dienen kann, das physiologische Gleichgewicht wieder herzustellen. Die Sexpartner gehen einen Pakt ein und vermitteln sich gegenseitig ein Gefühl des Wohlbehagens. Der sexuelle Akt kann auch ein Vergnügen sein, das der Mensch gerne sucht. Er kann sich zur immerwährenden Jagd nach dem verheißungsvollen Orgasmus entwickeln. Laut Eric Berne gibt es auch Menschen, die die Sexualität als Zeitvertreib benutzen, während sie auf Weihnachten oder auf den Tod warten.

Sex spielt auch eine wichtige Rolle im Spiel der Verführung und Trennung, von Hader und Versöhnung. Das Bett ist die Kampfstätte für alle diese psychologischen Spiele. Die Sexualität kann allerdings auch zwei Partner zu immer größerer Einigkeit und Gemeinsamkeit führen. Mit ihr werden vorhandene Hürden allmählich abgebaut und zwei Menschen immer enger aneinander gebunden.

Sexualität bedeutet für Eric Berne auch Intimität und Zuneigung. Er spricht sogar vom Zusammenwachsen zweier Seelen im Feuer der Leidenschaften. Sexualität kann überhaupt der höchste, immer wieder erneuerte Ausdruck der Liebe sein.

Kurzbiographie: Eric Berne

Eric Berne wurde 1910 im kanadischen Montreal geboren. Er studierte an der McGill University/Montreal Medizin und promovierte 1935 mit einer Arbeit über Psychiatrie. Von 1941 bis 1943 arbeitete er als Psychiater im New York Psychoanalytic Institute. Anschließend war er Fachberater für Psychiatrie beim Generalarzt der US-Armee.

Von 1947 bis 1956 beschäftigte sich Berne überwiegend mit der Gruppentherapie im San Francisco Psychoanalytic Institute. Später war er als Dozent an der University of California Medical School und Direktor des San Francisco Social Psychiatry Seminar tätig. Eric Berne starb 1970.

Von Hans Klumbies

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